August Broil an Marga Ortmann, 26. August 1943

Bremen, den 26.8.43.

Meine Liebste,

es ist der erste Abend nach den sieben wundervollen Tagen des Zusammenseins in unserer Heimat.

Ich mußte den Brief an diesem Abend unterbrechen. Die inzwischen still gewordene Stube bekam plötzlich neues Leben: neue Rekruten, lauter junge Kerle von 18 Jahren zogen mit viel Hallo ein. Da hörte das Briefschreiben auf. Heute abend will ich solange auf der Schreibstube bleiben, bis der Brief an Dich fertig ist.

Wie sollen wir über die Abende denken, die uns jetzt wieder allein sehen, Dich in der Heimat, mich in der Fremde? Ist irgend ein Grund, an diesen Abenden ob des Alleinseins traurig oder wehmütig zu werden. Ich meine das gar nicht, meine Marga; denn unsere Herzen sind noch so erfüllt von

dem Jubel der gemeinsam verlebten Tage, daß Trauer und Wehmut garnicht Platz haben in unseren Herzen. Es soll Freude darin sein, reine, feine Freude und tiefe Dankbarkeit. Du, ich müßte etwas ganz Neues mit mir beginnen, etwas noch nie Gekonntes, wenn ich das alles mit Worten sagen wollte, was in meinen Gedanken umgeht. Ich habe noch gar keine Worte dazu, wenn ich auch weiß, daß wir gedanklich das gesamte Erleben dieser Tage noch verarbeiten werden, und daß diese Arbeit uns dann hinüberführen wird zu weiterem Erkennen der Seele und des Menschseins im Anderen.

Ich bitte Dich, Liebste, sei mir nicht böse über die wenigen schlechten Zeilen. Bald hoffe ich, Dir im Briefe mehr sagen zu können.

Du Liebste, ich grüße Dich ganz froh. Ach, meine Hand, die über Deine Stirn, Dein Haar und Deine Wangen geht, würde Dir mehr sagen können als alle armen Worte.

Dein August