August Broil an Marga Ortmann, 9. Dezember 1943

Bremen, den 9. Dezember 1943.

Meine liebe Marga.

Mit wenigen, kurzen Zeilen will ich Dich heute grüßen; denn ich möchte Dir eine Skizze zu unserer Hochzeitsanzeige schicken, wie ich sie mir ungefähr wünschen könnte. Über den Text müßtest Du einmal nachsinnen, ob die Ausdrucksweise so bestehen kann. „Kirche Maria im Kapitol“ klingt mir etwas steif und der Würde des Gotteshauses nicht ganz gemäßt. Kpl. Angenend weiß da vielleicht einen guten Rat. Die äußere Anordnung, an der ich länger gesucht habe, und die mir dann plötzlich wie von selbst gelang, habe ich in die Form gedacht, angelegt wie der Grundriß eines Gotteshauses mit Lang- und Querhaus, die das Sinnbild des Christentums, das Kreuz in sich birgt. Gleichzeitig wird dadurch unser Festinhalt wie das große Erleben unserer Hohen Zeit ganz besonders hervorgehoben. Das schmale

Kreuz in der Mitte – Zentrum allen christlichen Wirkens – überbrückt und verbindet gleichzeitig oben und unten, Übernatur und Natur, göttliches Wirken und menschliche Wirklichkeit. Was die beiden in der Welt stehenden Menschen an diesem Tage einander versprechen, wird durch die Mittlerschaft Christ (das Kreuz) vor dem Allmächtigen gültig.

Liebste, es ist spät am Abend, und morgen früh will ich diese Zeilen abschicken.

Du, meine Gedanken sind jetzt immer bei Dir, und sie kreisen um das Große, das uns bevorsteht. So natürlich und selbstverständlich unser Tun ist, so groß und geheimnisvoll ist es auch. Die Tage gehen so schnell dahin, und sie sind angefüllt bis zum Rand.

Ich sage Dir gute Nacht, meine Marga und bin so fest

Dein August