August Broil an Marga Ortmann, 21. Dezember 1943

Bremen, den 21/12.43.

Meine Liebste,

so schnell es mir möglich war, antworte ich auf Deinen Brief vom 17.12. mit dem abgeänderten Vorschlag für unsere Anzeige (Dein Brief kam erst heute hier an.) Das Symbol der verschlungenen Ringe mit dem des Kreuzes zu verbinden habe ich auch erwogen, aber deshalb nicht ausgeführt, weil der Drucker wahrscheinlich kein passendes Clichée dahaben würde. Der Kopf klingt so besser und kann in die gedachte Form gut eingefügt werden. Wenn wir die Gegenwartsform für „spenden“ nehmen – was durchaus richtig ist, da wir die

Anzeige vorher verschicken – dann müssen wir am Fusse bei der Aufführung unserer Namen Deinen und meinen Geburtsnamen nehmen. Das ergibt eine etwas geänderte Anordnung, die das Wörtchen „und“ in diesem Falle nicht allein als Füllsel verlangt. Bindet es doch die beiden unterschiedlichen Namen gleichsam das vorhergegangene Versprechen in sich bergend. Ich habe noch einmal eine vollständige Skizze aufgezeichnet. Dabei ging es mir darum, das äußere Bild und die zugrunde liegende Form des Kreuzes straffer zusammenzufassen. Achte bitte darauf beim Probeabzug.

Wenn das Symbol nicht möglich ist, so lassen wir es getrost beim ursprünglichen Plan mit dem einfachen

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Kreuz in der Mitte. Als äußere Form des Blattes halte ich einen einfachen weißen Bogen von der Größe eines Din-Bogens für das geeignete, weil auf einer verhältnismäßig kleinen Karte der ziemlich große Text zu gedrängt wirken würde. Wahrscheilich wird aber dieser Brief zu spät kommen, und deshalb glaube ich, daß Du schon das richtige finden wirst. Du weißt ja von unseren Verlobungsanzeigen noch wie wir es gemacht haben und wie ich es mir denke.

Die standesamtliche Trauung muß selbstverständlich am Freitag, dem 31/12. stattfinden, denn der 4. Januar soll als Tag unserer Hochzeit bleiben, wenn nicht ganz unvorhergesehene wichtige Gründe ihn abzuändern zwingen.

Fein ist es, daß viele Freunde aus dem früheren Kreis, der ja für unsere Gemeinsamkeit nicht unwichtig war, zur Hochzeit kommen wollen. Wir müssen nur sehen, daß alle früh genug benachrichtigt werden. Auch Dr. Hiß sähen wir beide sehr gerne an unserem Tage. Schreibe ihm bitte früh genug. Du hast Recht, meine Marga, es gibt so viele kleine und unscheinbare Dinge, die bedacht und getan sein wollen. Wenn sie alle mit Liebe und Sorgfalt geschehen, dann werden sie die tiefe, innere Vorbereitung nicht stören, weil sie in rechtem Zusammenhang geschehen.

Wenn schon kein eigenes Heim da ist, dann wird eine stille Zweisamkeit so wie wir sie gedacht haben richtig sein.

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Diese ersten Tage der Gemeinsamkeit verlangen so viel Aufgeschlossenheit des einen für den andern, die im Getriebe der elterlichen Familie gehemmt wäre. Ich meine sogar, es müßte uns schwer fallen, in all dem, was wir erleben, vor den allzu nahen Lieben zu stehen. Es ist gewiß gut gemeint von Deinen Lieben, und wir werden schon das Richtige zu tun wissen.

Die kurzen Tage der gemeinsamen Vorbereitung wollen wir recht nutzen, einige Vorschläge dazu sate ich Dir schon im letzten Brief. Sicher wird es möglich sein, eine kleine Fahrt zur Madonna nach Altenberg zu machen – vielleicht am Neujahrstag.

Meine Liebste, nun will ich sehen, daß Du diesen Brief bald bekommst,

vielleicht noch zum Weihnachtsfest. Heute in 2 Wochen ist unser hoher Tag schon zu Ende gegangen und wir werden ganz in unsere Gemeinsamkeit eingehen. Du Liebste, all meine Gedanken und all meine Wünsche für Dich.

Freude und Glück Dir und den Lieben

Dein August.