Marga Broil an Familie Johann Ortmann, 27. Oktober 1944

Reinstorf, den 27.X.44

Meine Lieben!

Die Tage hier in der Stille der Lüneburger Heide gehen so rasch dahin. In der Ruhe, die mich umgibt – selbst das Wirken auf dem Hof, wo wir Quartier bezogen haben, ist geruhsam gegenüber der Hetze des Stadtlebens – kann auch das Herz wieder ruhig werden nach der bewegten Zeit, die hinter uns liegt. August wird durch seine Arbeit stark in Anspruch genommen, aber zu den Mahlzeiten und am Abend können wir immer zusammen sein. Die Soldatenkost, die immer noch aufs Beste ergänzt wird, bekommt mir ausgezeichnet und ich habe schon gelernt richtige Soldatenportionen zu vertilgen. Hie und da kann ich mich im Haus etwas nützlich machen und zuweilen spiele ich Sekretärin des Rechnungsführers. Täglich mach eich einen Gang in die Heide, wobei mich die beiden Kinder meist begleiten. Sie plaudern dann so munter in ihrem Dialekt, daß ich garkeine Zeit zu trüben Gedanken habe und aufpassen muß, um alles zu verstehen. Wenn wir doch nur bald Nachricht bekämen, ob Ihr und alle Lieben in Köln die Angriffe gut überstanden habt. Die Ungewißheit bedrückt, aber ich hoffe, daß auch diesmal alles gut gegangen ist. Könntet Ihr doch auch hier von all den Schrecken ausruhen, wie ich es kann. Wir sind froh + dankbar für jeden Tag, den wir hier gemeinsam verleben dürfen und grüßen Euch recht von Herzen

Eure Marga und August.

Absender: M. Broil Reinstorf Krs. Ülzen
                   Nr. 5 bei Rudolf Meyer (20)

Feldpost

Familie
Johann Ortmann
(22) Bergisch Gladbach
Max Bruchstr. 10