Marga Broil an ihre Familie, Ende Oktober 1944

Liebe Eltern und Geschwister!

Wieder hat Euch das Geschick des Krieges hart getroffen. Was mag alles hinter den kurzen Worten stehen, die Mutter uns geschickt hat, und die endlich die drückende Ungewißheit von mir genommen haben? Sicher habt Ihr wieder furchtbare Stunden erlebt, in deren Schrecken und Ängsten der Tod oftmals erlitten wird, auch ohne körperlichen Vollzug. Aber das Kostbarste und Einzige, was wir noch besitzen dürfen in diesen Tagen, das Leben, ist Euch erhalten geblieben, ja neu geschenkt worden in diesen Stunden. Dafür laßt uns dem Herrn danken, alle miteinander; denn solange uns das noch bleibt, trotz aller äußeren Armut, sind wir reich. Alle kleinen Dinge, die uns früher einmal wichtig schienen, sinken angesichts solcher Ereignisse ins Nichts und das Einzige, worum wir noch bitten wollen voll Vertrauen, ist das Leben und die Kraft es recht zu leben.

Es ist mir recht hart, in diesen schweren Tagen nicht bei Euch sein und Euch helfen zu können. Gerade jetzt tut uns das Zusammensein not, mir und Euch. Das Einzige, das ich jetzt für Euch tun kann ist dies, daß ich im Gebet, zu dem mir hier in der Stille mehr Raum bleibt als im Getriebe des Alltags, all Eure Nöten und Sorgen vor den Herrn trage und Ihn bitte, bei Euch zu bleiben mit Seiner Kraft, auf daß Ihr die Beschwernis dieser Stunde ebenso zu tragen vermögt wie all die vorausgegangenen.

Wenn ich selbst auch nicht zu Euch kommen kann, ich schicke Euch aber den, der Euch durch die Macht der Liebe Sohn und Bruder geworden ist; und ich weiß, er wird Euch Stütze und Helfer sein. Von Herzen grüße ich Euch alle, Vater, Mutter, Finni und Elisabeth bleibt stark und froh trotz aller Bedrängnis

Eure Marga.