Marga Broil an ihren Mann August, 21. Dezember 1944

13. Reinstorf, den 21.12.44.
6.I.45

Mein lieber August,

gestern brachte mir die Post den ersten Brief von Dir, der mir von Deiner Ankunft in der altvertrauten Landschaft erzählt hat. Wo Dich früher die Liebe zur Natur hintrieb, zum Schauen, Wandern und Erleben, da wirst Du jetzt durch das Geschehen des Krieges hingestellt zu einem so ganz anderen Tun. Das Erinnern an die Zeit, da Du Dich so unbeschwert dem Erleben der Natur hingeben konntest, mag ein schmerzliches sein, aber vielleicht ruft es auch manche geschenkte Freude in Dir wach. Bewahre Dir auch jetzt, unter den so ernsten Umständen, die Fähigkeit zu solchem Frohsein; daß Du das Schöne, das sich Dir bietet, auch in diesen Tagen so zu schauen vermagst, ist mir eine Freude.

Ja Liebster, nun ist das Hinüber und Herüber der Gedanken im Brief wieder die einzige Möglichkeit der Äußerung unseres gemeinsamen Lebens und wir wollen es wieder recht benutzen, daß wir alles miteinander erleben, was dem Einzelnen begegnet und daß auch das Wort wahr darin werde: „Einer trage

des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen!“ Sein Gesetz aber ist die Liebe. So komm denn auch jetzt wieder mit allem Hohen und Tiefen, Frohen und Schweren zu mir, Du mein Liebster; so wie ich zu Dir komme, auf daß auch in dieser Trennung unsere Gemeinsamkeit schöner und größer werde und wachse zu dem, was sie sein soll für uns selbst und vor Gott.

Der Krieg ist in diesen Tagen, wohl gerade da, wo ich Dich vermute, in eine besonders ernste Phase getreten. Oft denke ich darüber nach, wie sich das für Dich persönlich auswirken wird. Aber Du weißt, August, ich bete für Dich und lege all meine Sorge um Dich in mein Gebet hinein. So wollen wir fest miteinander vertrauen, daß der Herrgott schließlich alles zu unserem Besten fügen wird. Ob es nun in der Erfüllung unserer Wünsche und Hoffnungen liegt oder nicht. Ich denke so fest an Dich und auch jetzt ist all mein Tun auf Dich gerichtet.

Liebster, von Herzen grüße ich Dich, so innig wie stets

Deine Marga.