Marga Broil an ihren Mann August, 22. Dezember 1945
Köln, den 22. Dezember 1945.
Mein lieber August!
Wieder darf ich die liebe Anrede zu Papier bringen, die ich lange Monate hindurch nur in meinem Herzen an Dich richten konnte, und mein ganzes Sein und Leben jubelt Dir darin entgegen: mein lieber August. Sei gegrüßt, Liebster, mit aller Herzlichkeit und Innigkeit, die ich in der langen Zeit des Wartens und Verhaltens für Dich aufbewahrt habe. Ach, wie froh hast Du mich mit Deinem Gruß v. 9.11. gemacht, der mir endlich alle Ungewißheit nahm und das bestätigte, was ich zutiefst wußte und spürte: Daß Du da bist, mein August, daß Du irgendwo mit der gleichen Sehnsucht nach dem gemeinsamen Leben Ausschau hältst wie ich es tue. Ich war mir dessen eigentlich ganz sicher, aber zuweilen meinte ich doch auch die andere Möglichkeit erwägen zu müssen. Doch die Zuversicht gewann schnell die Oberhand in meinem Anruf an den Herrn. Und nun weiß ich, daß mein Hoffen nicht getäuscht wird, und will alles versuchen, daß auch Du recht bald Nachricht von mir erhältst. Mir geht es gut, August, sehr gut darf ich sagen. Seit Mai bin ich wieder in Köln, die erste Gelegenheit habe ich benutzt, um heim zu kommen. Und es war gut so, für uns, für die Eltern und alle, denen ich seitdem schon helfen durfte. Ich schaffe wieder am alten Platz beim Bauring von früh bis spät, und habe schon Viele unter Dach + Fach gebracht. Mit den Dingen, die uns auf Schickberg erhalten geblieben sind, habe
All unsere Lieben sind wohlauf und lassen Dich herzl. grüßen
ich uns wieder ein feines kleines Heim bereiten können. Du brauchst nur zu kommen, alles ist für Dich bereit. Was ich auch darin tue, alles geschieht im Hinblick auf Deine Heimkehr, die ich doch mit allen Fasern meines Herzens ersehne. Ja, wir wollen hoffen und beten, daß der Herrgott uns einander bald zu gemeinsamem Leben zurückschenkt, dann werden es nicht nur kurze Urlaubstage sein, sondern ein ganzes Leben hindurch dürfen wir uns angehören. Laßt uns mit frohem Herzen unserem gemeinsamen Leben entgegengehen und auch diese Zeit des Wartens für die fruchtbar machen. Ich frage mich oft, wie Du mit der Beschwer, die sie Dir auferlegt, fertig werden magst. Aber ich vertraue auf die Kraft Deines guten Willens und meines Betens für Dich.
Täglich bitte ich den Herrn, daß Er Sich Dir schenken möge, daß Er Dir nahe bleibe, wo immer Du seiest; daß Er das Wissen um meine Liebe in Dir lebendig halte und unser Winfried Dir vor Seinem Angesicht ein guter Anwalt sei. – August, Advent und Weihnachten rufen so viel Gemeinsames in uns wach. Mit ganzer Freude wollen wir das Fest Seines Kommens begehen, jeder für sich und doch über alle Ferne hinweg verbunden. Ach August, manchmal bist Du mir so nahe, daß ich glaube Deine liebe Hand habe mich gestreift, der Hauch Deines Atems mich berührt. Komm‘, laß es ganz hell und froh und still in uns werden und laß mich bei Dir sein mit aller Liebe, zu der mein Herz fähig ist. Leb‘ wohl, Liebster, laß die Freude nie aus Deinem Herzen weichen. Jeder von uns erweise sich der Liebe des Anderen würdig bis der Herr uns wieder zusammenführt. Er behüte Dich immerdar und schenke Dir Gnade und Segen, Frieden und Freude und Sein Heil
herzlich Deine Marga.