August Broil an seine Frau Marga, 31. Januar 1945

3 O.U., den 31. Januar 1944 [richtig wohl: 1945]

Meine liebe Marga,

der harte, kalte und schneereiche Wintermonat Januar geht zu Ende. Damit wird der größte Teil dieses Winters wohl auch vorüber sein, wie es für all die Menschen zu wünschen ist, die jetzt heimatlos herumirren und sich vor der Gewalt des Winters nicht schützen können. Wie zum Trost läßt der Januar seinen letzten Tag nach vielen kalten Tagen wärmer sein und gar die Schneedecke taut ein wenig auf. Wenn ich denke, wie mich früher der Glanz des weißen in der Sonne glitzernden Schnees erfreut hat, daß ich nicht widerstehen konnte, Bild um Bild einzufangen, dann bin ich heute oft recht traurig, daß ich mich nicht mit gleicher innerer Kraft daran erfreuen kann. Die Bilder leuchten mit der gleichen verlockenden Helligkeit oder im Mondenschein mit der gleichen friedlichen Ruhe, und doch möchte ich sie wegwünschen, weil es in diesen harten Tagen nur Trugbilder sind. Trotzdem kann ich selbst nicht sagen, daß ich persönlich unter der Unbill des Winters irgendwie zu leiden

gehabt hätte. Für mich war der Winter nicht schlimmer als zu Hause, und so lange die Stube warm sein kann und trocken, ist es doch auszuhalten. Und ich bin froh, wenn ich von Dir weiß das Du es gleichfalls gut hast.

Der Ort, in dem wir jetzt Quartier haben, ist noch von der Bevölkerung bewohnt, an den Abenden können wir mit den Hausleuten zusammensein und ausspannen. Es wird über viele Dinge geplaudert, meist über die politische und militärische Lage, die ja uns allen größte Sorgen macht. Aber es ist auch oft genug froh und heiter dabei, wenn wir mit der mädchenhaften, schon erwachsen sein wollenden, sich selbst mit „Rotznas“ bezeichnenden Tochter des Haues unseren Schabernak treiben. Nachts wärmen wir uns gegenseitig in dem guten Bett. Ich muß dann oft an Dich denken, wie Du Dich bei mir gewärmt hast, und wie Du jetzt alleine bist, und auf mich wartest. Ach, Liebste, die Gemeinsamkeit ist ja auch in diesen Dingen schön, alles war wir so miteinander verlebt haben, macht uns bei der Erinnerung das Herz warm und sonnig.

Den heutigen Morgen, meine Marga, laß mich mit den wenigen Zeilen an Dich in die Arbeit übergehen lassen. Herzlich bin ich ganz

Dein August.