August Broil an seine Frau Marga, 17. Januar 1945

am 17. Januar 1945.

Meine liebe Marga,

welch große Freude hast Du mir bereitet, welch wundervollen, feinen Brief hast Du mir geschrieben am Jahrestage unserer Hochzeit. Wie der Tag selbst ein Höhepunkt in unserem gemeinsamen Leben ist, so ist es dieser Brief in unserem Briefwechsel. Ich kam von einer Fahrt zum Quartier zurück und las Deinen Brief, am späten Abend habe ich gleich noch einmal gelesen. Ich hätte dem Brief vor Glück einen herzhaften Kuß auf das blaue Papier drücken mögen vor Freude darüber, daß Du diese Worte all hineingeschrieben hast, die Deinem Herzen entsprungen sind. Ja, sie stammen alle aus der Tiefe Deines Herzens, sie sind aus einer Tiefe hervorgeholt, in der es vor Sehnsucht und Glück glüht. Ich glaube, meine Liebste, daß wir beide an diesem Tage trotz aller äußeren Unzulänglichkeiten sehr viel erlebt haben. Mit ging es ja genau so wie Dir, daß es mir nicht möglich war alle meine Gedanken und meine Erinnerungen in Worte zu fassen. Das Schönste sind die Gedanken selbst, denn sie können sich ja so tief in jede Einzelheit hineinversenken, sie können in jede Tiefe hinabsteigen, und die Worte – wenn sie auch nur andeuten – uns genügen sie, weil wir aus jedem Wort wieder die Gedanken wach werden lassen können. Oft haben wir zwar kein rechtes Zutrauen zu den Worten, weil sie eben so arm sind und nur Bruchstücke von dem, was wirklich ist. Und wir glauben, das Gesagte könne nicht auf rechten Boden fallen oder würde zu schwach

sei. So ist es im allgemeinen auch. Aber wir beide in unserer Gemeinsamkeit haben doch vielmehr von unserem Wort, weil wir den Schlüssel in uns tragen, die Hülle zu öffnen und in das Geheiligte Innere einzutreten. Wie sich durch die Tiefe der Gemeinsamkeit das sonst übliche Verhältnis von Wort zu Erleben und Gedanken doch grundlegend ändert! Und das Glück des Schreibens, das hohe Stunden in uns aufsteigen läßt, die uns wie Gnade geschenkt sind und eine Kraft und Tiefe in das Wort legen, die nur wir beide begreifen, Du meine Marga und ich!

Komm, meine Liebste, laß Dir danken von ganzem Herzen für all das Gute, das Du so für mich tust, laß Dich in meine Arme nehmen, weißt Du, so schön und fein, und meine Hände sollen über Dein Haupt streichen ganz sachte und zart und Dich so liebherzen wie Du es so gerne hast. Und meine Augen werden den Glanz des Glückes in Deinen Augen schauen, und mein Mund wird Deinen Mund finden, einen langen lieben Kuß wird er Dir schenken. Sehr viel Glück wird dann durch unser beider liebende Herzen wallen. Ja, es kommt der Tag wieder, da wir ganz eins sein werden in solchem Glück, Du Liebste und

Dein August.