August Broil an seine Frau Marga, 25. Dezember 1944

Am Weihnachtsmorgen 1944.

Meine liebe Marga,

die ganze Freudenkraft, der Gnadenregen und die Liebe des hohen Festtages seien mit Dir, Du Liebste. Nun ist der Festtag angebrochen, und ich bin tief dankbar an diesem Tage, daß der Herr uns die Gnade schenkte, den Tag in der Gemeinschaft mit der hl. Kirche zu begehen. Ich habe es gespürt, wie unsere Gebete sich aus der Ferne her vereinten zum Lobpreis des Herrn. Wir sind also so einsam nicht, und wie es immer war und immer sein wird, werden wir gemeinsam sein in der Gnade und Freude des Herrn. Komme, Liebste, laßt uns an diesem Tage alle Not und alles Leid vergessen und laßt uns singen und jubilieren. Was uns verheißen ward, das empfangen wir, wo immer wir des Herrn Geheimnisse feiern können.

Ich bin jetzt noch allein in der Stube, in der bald wieder die Kameraden sein werden. Diese kleine Zeit soll ganz uns beiden gehören. Gestern am Heiligabend sind wir in den Winterwald hinausgestapft und haben unseren Christbaum geholt. Es ist ein kleines, zierliches Bäumchen, auf dem noch dicker Schnee lag. In der warmen Stube tropfte der Schnee dann zu Boden. In der Dämmerung – ich war noch allein geblieben, begann ich den Baum auszuschmücken, damit wenn die Kameraden von draußen zurückkommen, ihnen eine Freude werde. Auch der Familie, bei der wir

wohnen, bat mich, ihren Baum zu putzen. Ein rechtes Familienfest kann es auch hier – obwohl die Familie noch zu Hause ist – nicht sein. Denn das Haus ist stets voll fremder Leute, Soldaten oder Flüchtlinge, und die schöne Abgeschlossenheit der Familie an hl. Abend ist nicht mehr möglich, genau so wie auch bei uns und allen Lieben es so ist.

Nun hat der Feind erkannt, was sich hier in der Eifel seit langem abspielte. Das herrliche Wintersonnenwetter nutzt er aus, um mit seiner Unzahl von Bombern das rückwärtige Gebiet zu zerstören. Das ist kein gutes Weihnachtsgechenk für die Bewohner. Pietätlos ist die Menschheit geworden, daß sie vor der Herrlichkeit solcher Festtage nicht mehr zurückschreckt. Ach, es muß doch alles wieder ganz anders werden.

Nun habe ich Deine kleinen Gaben ausgepackt und sie mir wohl schmecken lassen als äußeres Zeichen unserer Verbundenheit. Nun, Liebste, kommen die hl. Tage und Nächte, die uns ganz besonders stark an den Beginn unserer tiefen Gemeinsamkeit erinnern.

Wir wollen in diesen Tagen recht glücklich und froh aneinander denken

Dein August.