August Broil an seine Frau Marga, 20. Dezember 1944
Am 20. Dez. 1944.
Meine liebe Marga,
heute soll es kein langer Brief werden, denn es sind zwei Briefe beigefügt, die mich inzwischen erreichten, jedoch nicht meinen „langen Brief“ ersetzen sollen. Den einen von Quademechels hat Frl. Feuser aus Godesberg nachgeschickt, den andern fand ich an unserer Wohnungstür. Ich habe der Oma heute nach Wittlich geschrieben und immer gehofft, einmal einen Abstecher dorthin machen zu können. Leider kam immer etwas dazwischen. Einmal der Bandwurm, ein andermal die Fahrt nach Köln, beides keine schlechten Gründe.
Heute kam auch als zweiter Brief Dein Brief Nr. 6 an. Ich will Dir nur ganz schnell etwas dazu schreiben. Mir scheint doch, daß Du durch die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Zeit ein ganz klein wenig von Deinem bisher unverwüstlichen Optimismus eingebüßt hast. Jedenfalls ist Dein Gemüt für die dunklen und grauen Farben des Lebens jetzt viel empfänglicher. Nicht nur aus der Land-
schaft empfängst Du darin stärkste Eindrücke, auch das Geschick Deiner Lieben und mein Geschick und Wohlergehen beeindrucken Dich ungemein stärker – so meine ich es zu empfinden. Ich glaube, Liebste, wir müssen usn bemühen trotz aller Schwierigkeiten der Lage zu hoffen und zuversichtlich zu sein. Wir wollen uns von den aufreibenden Geschehen des Krieges und seinen Wechselfällen nicht zu abhängig machen. Es wäre sicherlich schön, wenn die Eltern dort mit Dir zusammen sein könnten. Aber ich glaube andererseits, daß sie sich in B. G. ziemlich sicher fühlen. Warten wir also zuerst einmal die Entwicklung der Dinge ruhig ab. Es ist ja wohl das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Mit diesen kurzen Gedanken grüße ich Dich heute ganz herzlich
Dein August.