Marga Broil an ihren Mann August, 4. Februar 1944

Köln, den 4. Febr. 1944.

Mein lieber August,

wie sehr habe ich auf Deinen Brief gewartet und wieviel Freude hat er mir wieder gemacht, als er gestern ankam! Er hat mir die schönste Freude in Aussicht gestellt, nach der ich im Geheimen schon immer Ausschau gehalten habe aber nicht zu fragen wagte. Du, ob es wirklich wahr wird, daß wir uns schon in einigen Tagen wiedersehen dürfen, daß wir für Stunden wieder ganz zusammen sein können, Du bei mir und ich bei Dir? Dann wird es keiner Brücke der Gedanken und Worte mehr bedürfen, auf der wir jetzt in der Trennung zueinanderfinden; dann kann das liebende Herz die ganze Fülle seiner Empfindungen unmittelbar in das andere ergießen. Liebster, Du weißt wie sehr ich mich danach sehne und Dein Brief hat mir auch von Deiner Sehnsucht erzählt, und wir wissen beide um das hohe Glück ihrer Erfüllung. Wenn Du etwas Bestimmtes bez. des Urlaubs und des Termins erfahren hast, so schreibe es mir doch bitte, damit ich mich besser darauf einrichten kann; denn die Stunden, die Du hier bist, möchte ich dann auch ganz für Dich da sein.

Morgen ist das Fest der hl. Agatha. Voriges Jahr sandtest Du mir an diesem Tage aus den Bergen die Karte mit dem feinen Mädchenbildnis. Ich habe es am Abend des Tages lange betrachtet, weil es von Dir kam und um seines selbst willen. Und alles, was ich aus diesem Bildnis gelesen habe und alles, was es in mir bewirkt hat, habe ich damals meinem Tagebuch anvertraut. Die ganze Schönheit und Größe des Ideals des jungfräulichen Menschen leuchtete mir daraus entgegen, aber ich erkannte auch gleichzeitig in der gedanklichen Gegenüberstellung die Würde und Heiligkeit der Berufung zu Ehe und Mutterschaft. Wie tief ist doch der geheime Zusammenhang zwischen beiden Idealen, daß die Kirche am Fest der heiligen Jungfrau den Menschen das entscheidende Wort des Herrn über die Ehe verkündet. Geheimnis und innerste Voraussetzung für beides ist die Hingabe und nur dem Menschen, der sich die Fähigkeit zur Hingabe bewahrt hat, wird es möglich sein mit Gottes Hilfe einem der hohen Menschheitsideale nahe zu kommen.

Und die Schilderung Deiner Skifahrt nach Mallon[?], die ich am gleichen Tage von Dir erhielt, ist mir noch so lebendig in der Erinnerung. Wie habe ich mich damals schon hineinzudenken versucht in das, was Du erlebt hast.

Ich bin doch froh, daß ich Therese das Bild des Lärchenwäldchens damals unterschlagen habe, es liegt jetzt wohlbewahrt bei unseren Briefen.

Liebster, wenn uns unsere Gemeinsamkeit auch schon größeres und tieferes Erleben geschenkt hat, so soll es uns doch immer wieder Freude machen bei den zarten und feinen Geschehnissen ihres Anfangs zu verweilen. Wie fein hast Du das in der Schilderung unseres Weges getan, die Du mir Weihnachten zum Geschenk gemacht hast. Manch schöne stille Stunde habe ich schon mit ihr zugebracht. – Lange habe ich meinen Brief unterbrechen müssen, der Tagesalarm, bei dem heftig geschossen wurde, hat 3 Std. gedauert. jetzt ruft die Pflicht wieder.

Liebster, alles, was ich Dir noch sagen wollte, schließe ich ein in meinen Gruß an Dich. Du, ich freue mich ja so sehr auf Dein Kommen

Deine Marga.