Marga Broil an ihren Mann August, 4. März 1944

Samstag, den 4. März 44.

Mein lieber August,

gestern habe ich begonnen Dir einen Brief zu schreiben, aber es ließ sich keine freie Minute dafür stehlen, es geht fast pausenlos durch von morgens bis abends. In Frl. Feuser habe ich gute Hilfe, hoffentlich macht das Arbeitsamt uns keinen Strich mehr dadurch. - Mutter ist mit Elisabeth nach Wittlich, Oma feiert ihren 70. Geburtstag. Dadurch wartet daheim abends auch noch mancherlei auf mich, doch das tue ich so gerne.

Liebster, so laß Dir heute in diesem kurzen Gruß sagen, wie sehr ich Dein gedenke, und mag der Tag mich noch so hart einspannen, die Stimmen aus der Tiefe des Herzens

vermag sein Getriebe nicht zu übertönen. Wie mag es Dir nun ergehen? Ach, wieviel Bilder und Möglichkeiten erwägt das liebende Herz Tag für Tag. Hoffentlich sind Dir dort noch ein paar stille Tage vergönnt. Du Liebster, ich meine der Abschied am Bremer Bahnhof könnte gar nicht der letzte gewesen sein für lange Zeit. Vielleicht läßt sich vor der endgültigen Abstellung doch noch ein Zusammensein ermöglichen, ich hoffe so sehr darauf. Wie es auch kommen mag, wir wissen daß es stets das rechte für uns sein wird - wie bisher so auch weiterhin. - Morgen werde ich zum ersten Mal in unserm neuen Heim schlafen, zunächst in den vorhandenen Möbeln, um alles vor dem Umzug rein machen zu können. Liebster, ich grüße Dich mit aller Liebe, die ich für Dich in meinem Herzen trage

Deine Marga.