Marga Broil an ihren Mann August, 5. April 1944
Köln, den 5. April 1944.
Mein lieber August,
nur einen kurzen Gruß kann ich Dir heute sagen.
Wir haben wieder eine ganz furchtbare Nacht gut überstanden. In Bayenthal und in unserer Wohnung hat alles gut gegangen, an der Aachenerstr. sind wieder Fenster zerstört. Ich war am Abend zu den Eltern gefahren und habe die bangen Stunden mit ihnen im Keller zugebracht. Mich hat der Schrecken diesmal gepackt wie nie zuvor. Das Leben ist nach solchen Stunden wie neu geschenkt. Wir müssen nur immer wieder beten, daß der Herr uns die Kraft gibt zu gutem Ausharren, denn unsere eigene menschliche Kraft ist ja so schnell dahin.
Bruno hat gestern aus einem Lazarett in Regensburg an Helene telegraphiert, er sei leicht verwundet, sie möchte nach dort kommen. Diesmal hat es den armen Kerl schnell gepackt, wir warten nun alle auf weitere Nachricht. Nach Hause hat er noch nicht geschrieben, Mutter hat das schmerzlich empfunden. Bei aller Sorge verliert sie trotzdem die Ruhe nicht, ich muß sie manchmal darum bewundern.
Als heute mittag die Sonne für ein paar Minuten die grauen Regenwolken zur Seite geschoben hatte und ein Stückchen blauen Himmel frei gab, sang ein kleiner Vogel
auf dem Baum vor unserem Fenster sein frohes Lied. Welch ein Gegensatz zu den Schrecken des Krieges, da die böse Nacht noch nicht ganz überstanden ist. Es ist gut, daß wir sie über solch kleinen Freuden, die sich mir aber ganz tief ins Herz senken, zuweilen vergessen lernen.
Liebster, mit diesen kurzen Worten, die Dir schnell Nachricht geben sollen, gehen wieder all meine Gedanken und guten Wünsche zu Dir hin. Ich hoffe heute abend noch länger bei Dir verweilen zu können
Deine Marga.
Von all unseren Lieben soll ich Dich herzlich grüßen.