Marga Broil an ihren Mann August, 11. April 1944

Köln, am Abend des Osterdienstag.

Mein lieber August,

ich bin so ganz erfüllt von dem Erleben unserer gemeinsamen Stunden, daß ich noch nicht weiß, was ich davon diesem Brief davon anvertrauen soll, daß er es zu Dir hinbringt. Und wenn es auch nur wenig sein kann, es drängt mich dazu am ersten Abend des Alleinseins alle Brücken zu schlagen, die von mir zu Dir hinüber- und herüberführen.

Wir haben unser zweites Osterfest nun doch in Gemeinsamkeit begehen dürfen und es hat uns die Freude, die ich mit solcher Inbrunst für Dich erfleht habe, in einem so reichen Maße geschenkt, das alles Wünschen und Sehnen übersteigt. Sie hat mich so richtig überfallen. Wie froh war ich schon, Deine Stimme zu hören; allein das hätte schon genügt die Feier des Festes in frohem Gedenken an unsere Gemeinsamkeit zu begehen. Ach, und ich habe ja garnicht gewagt mehr zu hoffen. Und dann standest Du plötzlich vor mir, Du, Dein Leib und Leben, so ganz wie Du bist und wie Dich meine Gedanken und meine Liebe täglich umfängt. Weißt Du, Liebster, das stürmte alles so sehr auf mich ein, daß ich garnicht so schnell damit fertig werden konnte. Daß uns der Ostermorgen neben der höchsten Steigerung seelischen Erlebens, - als solches empfinde ich immer unser gemeinsames Stehen und Beten vor Gott - auch noch die schönste Erfüllung dessen schenken würde, was sich unsere Herzen in Liebe ersehen und erträumen, das hätte

ich in der Frühe des Tages meinen Ahnungen nie geglaubt. Du, daß es überhaupt möglich ist, daß sich zwei Menschen in ihrer Liebe so viel Glück schenken können, wie wir beide es wieder tun durften! Spürst Du nicht auch, wie aus jedem neuen Erleben unseres Einsseins die Liebe schöner und stärker hervorgeht? Ihre letzte Tiefe läßt sich garnicht offenbaren; und wenn ich Dir alles schenke, was ich zu geben vermag, mein ganzes Sein mit Seele und Leib, dann steht immer noch ein Letztes unausgesprochen da, dem wir keinen Ausdruck verleihen können. Ich glaube, nur darum ist eine Steigerung unseres Empfindens möglich, so wie wir sie glückhaft erfahren durften. Als ich Dir in der Stunde des Abschieds davon sprach, kam mir der Gedanke, wenn in der Ewigkeit, wenn wir vor Gott Rechenschaft ablegen, die Gedanken aller Menschen offenbar werden - wie es in der Schrift heißt - ob es uns dann auch vergönnt sein wird, die letzten Tiefen unserer Liebe, die uns hier noch verborgen sind, einander zu offenbaren? August, das Glück solchen Schauens muß doch unaussprechlich groß sein, wenn schon das Unvollendete hier so beglücken kann. -

Die Uhr, die mir Dein Kommen angezeigt hat und die Stunden unseres feinen Erlebens, schlägt 11, wieder heulen die Sirenen Großalarm. August, je mehr der Ernst der Zeit von uns fordert umso fester wollen wir das Glück bewahren, das uns nichts aus den Herzen rauben kann. Vielleicht können wir uns dadurch, wie wir das Schwere zu tragen versuchen, ein Wenig dankbar zeigen für all die Freude, die der Herr uns geschenkt hat. August, Liebster, sei so froh wie

Deine Marga.