Marga Broil an ihren Mann August, 17. Juli 1944

Du, Du, Du sollst an mich gedenken,
hätt ich aller Wünsch' Gewalt
von Dir wollt' ich nit wenken.

Montag, den 17. Juli 44.

Mein lieber August, was mögen gestern wohl all die lieben Dinge in unserem Heim gedacht haben, als auf einmal so viel Leben darin war, wo doch sonst nur wir drei, Du und ich und das Kindlein so still zu Hause sind? Aus Anlaß meines Namenstages sind die Eltern und Finni zu mir gekommen und Heinrich, der ja auch so alleine seinen Tag begehen mußte, war schon morgens da. Die Vorbereitungen zu diesem kleinen Empfang, das Backen und Kochen u.s.w. hat mir viel Freude gemacht und selbst Vater, der mir in diesen Dingen ja nicht viel zutraut, konnte mir seine Anerkennung nicht versagen. Es ist etwas Schönes im eigenen Heim liebe Menschen zu Gast zu haben und ihnen mit wenigen Mitteln, vor allem aber mit Verständnis und Liebe eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen. Ich glaube, daß mir das gestern gelungen ist, denn alle waren so guter Dinge, daß man seine Freude daran haben mußte. Als ich bei Tisch unseren Gästen die Speisen darbot dachte ich daran, wie schön es einmal sein wird, wenn Du bei solchen Gelegenheiten Deines Amtes als Hausvater walten wirst. Ich meinte Dir den Platz an meiner Seite freihalten zu müssen.

Es traf sich doch gut, daß vor Dir niemand mich in unserem kleinen Reich aufgesucht hat, daß Du, der Hausherr, zugleich auch mein erster Gast in unserem Heim gewesen bist. All mein Tun in seinen Wänden ist wie eine Bereitung für Dein Wiederkommen und oft ist

es von der heißen Bitte begleitet, daß der Herrgott Dir doch eine gute Heimkehr schenken möge. Wir wissen nicht, wie lange wir noch darauf warten müssen und was sich in der Zeit alles ereignen wird. In den langen wachen Stunden der Nacht habe ich mir manchmal vorzustellen versucht wie es sein wird, wenn ich Dich mit unserem Kindlein auf den Armen daheim willkommen heißen werde. Ach Liebster, wie unaussprechlich groß wird dann unsere Freude sein! Wir wollen unsere Wünsche, unser Verlangen und all unsere Sehnsucht nach völligem Vereintsein immer wieder in die Hand des Herrn legen; Er wird sie nach Seinem Willen zu erfüllen wissen.

Mutter hat mir zum Namenstag ein ganzes Paket Säuglingswäsche geschenkt, die sie nach und nach erstanden hat. Lange habe ich [..] vor den niedlichen Sachen gestanden und sie einzeln wieder zurückgenommen. Ach August, ich kann es garnicht fassen, daß der Herrgott unter meinem Herzen das kleine Menschlein wachsen läßt, dem all diese Dinge dienen sollen, daß Er meinen Leib gewüdigt hat ein solches Geheimnis zu tragen. Aber da regt sich unser Kindlein wieder und gibt mir mit seinen immer stärker werdenden Bewegungen die frohe Gewißheit seines Daseins. Ach Liebster, daß ich Dich doch einmal das Glück dieses Empfindens spüren lassen könnte, denn es gehört Dir doch genau so wie mir. Aber alle Worte, mit denen ich es Dir sagen möchte, sind zu schwach es zu denken. So nehme ich in Gedanken Deine liebe Hand in meine Hände und lege sie auf meinen gesegneten Leib unter mein Herz, wo das Leben unseres Kindleins am besten spürbar ist. Komm Liebster, laßt uns so eine Weile ganz innig miteinander verbunden sein, wir drei, die der Herrgott so wunderbar hat eins sein lassen in unserer Liebe

Deine Marga.