August Broil an seine Frau Marga, 12. Januar 1944
Bremen, den 12. Jan. 44.
Meine liebe Marga,
noch ehe der erste Tag zu Ende geht, will ich im Brief ein paar Minuten bei Dir verweilen. Als ich nach guter, reibungsloser Fahrt in Bremen den Weg zur Kaserne ging, da gingen mir die vielen Wege ähnlicher Art in der Erinnerung so nahe, die ich schon gemacht habe, seit ich in Bremen bin.
Ach wie überwältigten mich jedes mal wieder neu die Gedanken an das Erlebte, das mich soeben in die karge Soldatenwelt wieder entlassen hatte. Und diesmal waren nun alle Sehnsucht und alle Erwartung in die Tage wahrer letzter Gemeinsamkeit zusammengeflossen, hatten unsere schwingenden, klingenden Herzen
so unsagbar weit hinausgehoben. Es waren so wunderbar einfache und klare Tage, wie leuchtende Perlen einer edlen Kette glitten sie durch unsere erschauernden Hände. Wir haben uns weder etwas versagt noch erzwungen, alles Gute dieser Tage floß uns wie in einem übermächtigen, unaufhaltbaren Strome zu, in den wir tief beglückt hineintauchten und uns ganz geborgen wußten, weil wir wußten, daß es der nie versiegende Strom gottgewollten Lebens in unserer Menschheit ist. Könnten wir doch die Tiefe ganz erfassen und begreifen, in die wir hineingesenkt wurden! Weil wir das Wirken der Schöpferordnung vollziehen durften und es nur in diesem letzten Beisammensein tun konnten, darum waren wir beglückt
und beseligt.
Nun gehen wir, bis an den Rand gefüllt vom Glücke unseres Erlebens in den Alltag hinein. Wie muß jetzt alles, was wir tun werden, überstrahlt sein von dem Gedanken, daß wir so Großes tun durften, wie müssen wir dankbar sein, daß alles Wirken nur ein Teilchen ist zu dem allgemeinen Wirken, das der Schöpfer in der wohlweisen Ordnung von Seele und Leib von uns fordert. Beglückt erfuhren wir, das erst solches Tun restlos froh machen kann.
Du Liebste, komm sage mit mir Dank dem Herrgott, der uns die Gnade solchen Glückes schenkte und laßt