August Broil an seine Frau Marga, 2. Februar 1944

Am Abend des Festes Mariä Lichtmeß.

Meine liebe Marga,

Die Stunden des Tages neigen sich schon bald ihrem Ende zu, aber ich will noch eine kurze Zeit im Brief bei Dir verweilen, denn Anlaß genug bietet der Tag, die Gedanken ganz besonders zu Dir hingehen zu lassen.

Der weihnachtliche Festkreis hat mit dem heutigen Festtag seinen Abschluß gefunden. Dies war eigentlich unser beider ganz besonderer Festkreis; in ihn eingebettet lag, umrandet von den Festgeheimnissen, das große Geheimnis unserer Hohen Zeit. Das Jahr des Herrn hat seine Pforten nun weit geöffnet. Mit dem Lichte, das nun täglich mit stärkerer Kraft wächst, werden auch wir beide in unserer Gemeinsamkeit mehr hineingestellt in das Wirken des Herrn. Aus den tiefen Erlebnissen aller Geheimnisse, die uns über den Alltag erhoben, gelangen wir nun in die Gleichmäßigkeit des Tages, die stets unsere ganze Wachheit und Bereitschaft fordert.

Wir werden in dem Ernst der Fastenzeit hineingeführt werden, und werden oft an unser vorjähriges Bemühen erinnert werden, darin ein erstes gemeinsames Tun zu vollbringen. Nun hat unsere Bereitung in dieser kommenden Zeit noch einen viel tieferen Sinn, wenn wir sie wirken im Hinblick auf unsere von Gott gesegnete Gemeinsamkeit, die zu Seiner Ehre vollgültig und gut werden soll. Ostern in seinem Glanze und all die folgenden Lichtpunkte im Kreis der Herrenjahres, wie werden sie unsere Arbeit des Alltages reich machen und glücklich. Ich spreche so leichthin von der gemeinsamen Arbeit des Alltages. Gewiß ist sie jetzt noch nicht in dem Sinne gemeinsam, daß wir in allem uns helfen und ergänzen könnten; dazu sind die äußeren Umstände allzu ungünstig. Aber auch jede Arbeit und jedes Wirken für sich allein geschieht auch jetzt im Gedanken an das Beieinandersein. Ein jeder von uns nimmt das, was der andere in der Ferne tut in seine Gedanken und sein Wesen mit hinein oder

läßt alles hinübergehen zu dem anderen, läßt in Gedanken es vor ihm bestehen oder erkennt, daß es nicht bestehen kann. So geschieht heilsames Einzelwirken als Teil des gemeinsamen Tuns, als Baustein für die kommende Zeit in Familie und Heim.

Der zweite Tag des Monats war weiterhin der Vorabend unseres Hochfestes. Da haben wir zum letzten Mal so Abschied voneinander genommen und sind zu unseren Familien, denen wir unser Leben danken, hingegangen. Still haben wir letzte Einkehr gehalten, um dann zum anderen Morgen hinausgesandt zu werden. Liebste, wie wunderbar sind die Gedanken an all das Große, was dann über uns kam. Als ich Dir den Bericht für die Freunde geschickt hatte, schriebst Du mir daraufhin, daß wir vielleicht nie das in Worte kleiden können und auch nicht brauchten, was der Hohe Tag uns bedeutet hat. Der Gedanke daran, es doch einmal zu versuchen, wenn ich dazu fähig sein würde, ist mir durch Deine Antwort besonders nahe gegangen und hat mich nicht mehr losgelassen. Vielleicht wird es an einem solchen Tage des Neu-Erlebens einmal so weit sein.

Beim Hören des Evangeliums vom vergangenen Sonntag mußte ich so stark daran denken

wie wir über die Vorsehung unsere Gedanken ausgetauscht haben. Dieses wunderbare Bild, daß ein Schifflein mit angsterfüllten Menschen in den wütenden Wellen zu versinken droht, ist es nicht unsere Zeit. - Er aber schlief. Er konnte schlafen, denn er wußte, das Seine Herrlichkeit offenbar werden würde. Alles Jammern, alles ängstigen ist vergeblich; denn Er schläft ja, er braucht das Gewimmer der Menschen nicht zu hören. Er hat doch alles in Seiner Hand. Erhaben und groß ruht Er in unendlicher Ferne. Doch ein Wink seines Armes läßt Stürme und Wellen verstummen. Und es ward eine große Stille. Da spürt auch die Welt etwas, einen Hauch nur von Seiner Erhabenheit und Größe.

Meine Liebste, laß mich mit diesen kurzen Gedanken Abschied nehmen in die Nacht und den Schlaf. Wir preisen den Herrn und wollen Seine Wege suchen.

Dein August