August Broil an seine Frau Marga, 5. April 1944

5. April 1944

Meine liebe Marga,

eben habe ich einen Brief zum Hochzeitstage der Freunde Cordula und Richard geschrieben, der ja am heiligen Ostermontag sein wird. Beim Schreiben mußte ich so sehr an unseren schönen Hochzeitstag denken. All die Geschehnisse des Tages gingen mir wieder durch den Sinn. Welche Freude macht es doch und wie wichtig ist es auch, wenn man die ganze Größe und den inneren Gehalt eines solchen Tages wieder gegenwärtig verspürt. Seine Kräfte strahlen hinein in das Leben des Alltages und heben es hinaus in die große Sicht, unter der unser ganzes Tun und Wirken stehen muß. Ich werde an dem Festtage nicht dabei sein können, und Du mußt einmal mehr für uns beide da sein, wie das

jetzt fast immer ist. Aber ich weiß ja, daß Du es für uns beide gut machen wirst. Grüße die Beiden, ihre Lieben, vor allem die Eltern und alle Freunde herzlich von mir und sage Ihnen, daß ich in Gedanken unter Ihnen weile.

Heute ist der Mittwoch in der Karwoche. An den Abenden habe ich seit Sonntag soweit es mir möglich war ein Kapitel aus Schneiders Kreuzweg gelesen, den Du mir ja auch im vorigen Jahr schon zum Lesen gabst. Welch ungeheuer tiefe Wahrheiten vermag Schneider doch auszusagen mit seinen verhaltenen und zart in die Geheimnisse einfühlenden Worten. Ein Satz ist mir besonders haften geblieben, als er in der Betrachtung vom ersten Kreuzfall sagt: So heilig ist der uns verliehene Wert, daß Du die tiefste Schmach annimmst, um ihn zu retten und wieder herzustellen. Das ist wohl, was wir immer viel zu sehr

 

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so auch bin ich Dein. Das sind jetzt keine Worte oder Ausbrüche tiefen Gefühles mehr, das ist jetzt erlebtes und erfahrenes Leben. Die Leben kam in aller Unmittelbarkeit über uns. So halten wir es fest in unseren Händen

Dein August