August Broil an seine Frau Marga, 10. April 1944

Sonntag, den 16/4.44.

Meine liebe Marga,

heute am Sonntag hoffe ich endlich ein paar Zeilen ohne größere Störung schreiben zu können. War das ein bewegtes Leben, ein Hasten und Treiben vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Es ist ein regelrechtes Aufbruchfieber, und Aufregung, Überstürzung und Anschnauzen wechseln in bunter Folge miteinander ab. Jetzt gerade ist die ganze Einheit weggefahren und da ist wenigstens scheinbar etwas Ruhe. Gleich wird es wieder wie im Bienenschwarm gehen und eine Anordnung wird die andere jagen, wenn der Chef wieder seine vielen Pflichten und Aufgaben erfüllen muß. Doch werden auch später wieder ruhigere Tage kommen, und dann ist alles wieder vergessen. Ich schreibe diese Zeilen nicht mit Tinte, weil alles Schreibzeug schon verpackt ist. Stündlich und täglich kann die Abreise kommen, es kann auch wiederum Tage dauern; denn solche Eigenheiten sind dem Kommis auf den Leib geschrieben.

Du, Dein Osterbrief ist jetzt bei mir. Sei mir nicht böse, aber ich mußte ihn erst ungelesen zu Deinen Briefen legen. Erst wenn wieder ein klein wenig Ruhe und Stille sein wird, werde ich ihn lesen und mich hineindenken können.

Jetzt ist doch noch eine gute Sonntagsfreude gekommen: ein Brief von Dir, der erste nach unserem österlichen Beisammensein. Ja, es ist so sein großes schönes Osterfest geworden, wie wir es beide nicht geahnt haben. Ich schreibe jetzt einen so recht allgemeinen Satz über dieses Große und Schöne, aus dem aber auch garnichts von der Wirklichkeit dieser zwei Tage zu erkennen ist. Im Getriebe des Tages ist alles tief hineingesunken - zum Glück möchte ich sagen - in den Grund der Seele. Dort soll es alles tief und still ruhen, damit es klar und fein bleibe wie es erlebt war am Ostertage. Ich möchte es Dir auch so sagen können wie Du in Deinem kleinen Brief es mir sagen kannst aus der Stille unseres

Zimmers, in dem wir so schön zusammen waren.

Du, Marga, der Frühling beginnt jetzt hier ganz schön zu werden. Wenn ich nach den Kiefern hinüberblicke, dann sehe ich einen hell blühenden, jungen Baum mitten in dem matten Braun alten Herbstlaubes. Diesen Anblick jugendlicher Schönheit möchte ich manchmal rührend nennen, so unbesorgt steht er zwischen den dunklen Brüdern. So steigt das neue Leben frisch und froh hinauf zum Licht. Ich muß an unsere Gemeinsamkeit denken und an unser Leben, das wächst trotz aller so umstehenden Not und Zerstörung. Wir können darum zuversichtlich hoffen, Liebste.

Deine Freude macht mich auch so froh, und mein Frohsein soll wieder zu Dir gehen und Dir helfen

Dein August.

Beim Aufräumen der Papiere habe ich auch den Brief von Herrn Raskop wiedergefunden, den ich jetzt bei Gelegenheit beantworten werde. Eine Anzahl von Briefen liegt noch unbeantwortet bei mir, so von Jupp Steinbach und von Bruno. Jupp war im Hochgebirge zum Skikurs. Bruno schrieb noch

aus dem Einsatz.

Gestern habe ich zwei Päckchen weggeschickt für Dich mit einigen Gebrauchsgegenständen. Meinen Schott schicke mir bitte bei Gelegenheit, eine Zahnbürste habe ich mir aus der Marketenderkiste organisiert.

Anbei 4 Päckchenmarken