August Broil an seine Frau Marga, 7. August 1944

Frankreich, den 7.8.1944

Meine liebe Marga,

ein Sonntag neigt sich wieder seinem Ende zu. Bevor aber die Dunkelheit hereinbricht, will ich noch eine Zeitlang ganz mit Dir zusammen sein, genau so wie Du es so gerne und mit solcher tiefen Innerlichkeit tust. Wir liegen noch am gleichen Ort wie am vorigen Sonntag, und ich hatte wieder das Glück, eine hl. Messe mitfeiern zu dürfen. Von den Kameraden unseres kleinen Haufens waren etwas 12 mit in der Messe, bald mehr als Ortseinwohner da waren. Das hat mich sehr froh gemacht. Auch war ich diesmal vorbereitet auf die zu erwartenden Verhältnisse, sodaß ich keine erstaunten Feststellungen zu machen brauchte und mich ganz der Opferfeier hingeben konnten so wie es ein Soldat ohne jegliches Hilfsmittel

eben tun kann. In Gedanken waren wir in der Gemeinschaft des Opfers beisammen, und heiße, flehende Gebete stiegen voll Inbrunst zum Himmel auf. So zahlreich sind die Bitten, die wir dem himmlischen Vater zu seinem Thron hinaufsenden müssen in unserer harten und ernsten Zeit. Aber es war auch eine stille, erhebende Freude in dieser schlichten Opferfeier. Der Priester trug das weiße Gewand. Ich wußte nicht, welches Fest die weiße Farbe heute das Grün der Pfingstzeit verdrängt hatte. Ob es das Fest der Verklärung Christi war, welches am heutigen Tag in meinem Kalender vermerkt war? Als der Priester die Präfation in feierlichem Tone sang, wurde mir bewußt, daß die Kirche ein besonderes Fest im Lobpreis dieses Gesanges feierte. Während rundum die Kanonen donnern und die totbringenden Flugzeuge ihre brausende Bahn am Himmel ziehen, vergißt

die Kirche den Lobpreis des Herrn nicht: Über allen Düsternissen und Höhen der Zeit steht wie ein fester Fels die Kirche und ihre scheinbare Schwäche ist nur ein Loblied mehr für den, den sie verherrlicht.

Meine Marga, Du hast mir einen feinen Brief aus dem Erleben des Schmerzes über den Tod von Erich Mendler geschrieben, und die Gedanken, die Du darin aufschreibst haben auch mir vieles wieder klarer gemacht, was im Alltag des Soldatenlebens klein und unscheinbar wird. Tief packt uns solche Nachricht im Herzen an und doch wissen wir nach den ungeheuren Erfahrungen dieses Krieges uns dem tieferen Sinn alles Geschehens als dem Wirken des göttlichen Willens eher zu beugen als je zuvor. Wie hätte sonst Anneliese, die Du besucht hast, ein solch starkes Herz haben können. Mit starker Hand hat der Herr vielen

Seiner Kinder Seine Wege gezeigt, die so voller Opfer sind und mit Leid und Schmerz überhäuft sind. Erich hatte ich nur wenige Male gesehen, aber ein eindrucksvolles, feines Bild von ihm ist in mir geblieben. Wir haben den festen Glauben, daß der Herr seinen Weg vollendet hat, wie Er unser aller Wege ja nach Seinem Willen vollendet.

Meine Liebste laß mit diesen kurzen Zeilen mein heutiger Sonntagsgruß beendet sein. Was wir uns wirklich sagen möchten, das kann ja der Brief nur lückenhaft übermitteln. Aber wir wissen das ja. So sei denn, meine Liebste mit unserem Kindlein in den Schutz des Herrn gestellt, um den ich bitte.

Dein August.