August Broil an seine Frau Marga, 26. August 1944
O. U. den 26.8.44.
Meine liebe Marga,
nach ereignisreichen, schweren und doch auch glückhaften Tagen und Nächten hoffe ich, daß die Zeilen, die ich Dir schreiben kann zu Dir gelangen. Nach den Nachrichten und Gerüchten, die umgehen, wird Deine Sorge groß sein, wie die meine nicht minder groß ist, da seit Wochen keine Post mehr durchkam. Am Donnerstag nachmittag ging ich mit einem Kameraden unserer Einheit über die Seinebrücke. Wir haben aufgeatmet, als wir am anderen Ufer ankamen. Die glückhaften Regenwolken, die den
ganzen Tag ihre Wasser in Strömen über uns ausgossen, waren unsere gütigen Beschützer. Ich kann jetzt nicht alles so im einzelnen schreiben wie ich es erlebte, weil alles noch zu frisch ist.
Eine spätere Zeit wird das eher ermöglichen oder vielleicht kann es nur mündlich erzählt werden. Eins jedoch kann ich dankbaren Herzens sagen und das habe ich diesmal in tiefstem Sinn erfahren: Alles geschieht so, wie es richtig für uns ist und der Schutz Gottes verläßt uns nie. Unser Wünschen und Wollen ist eitel, wenn die großen Kräfte wirken.
Sieh, meine Liebste, nun könnte ich schreiben wie Du vor mehr als einem
Jahr: nun bin ich ganz arm, weil alle irdische Habe nicht mehr ist. Und doch bin ich und sind wir alle reich, solange wir selbst mit unserem Leben noch da sind. Eins hat mich besonders froh gemacht: daß durch einen glücklichen Umstand meine Aktentasche, in der ich Deine Briefe aufbewahrte genau wie im vorigen Jahre bei Dir, noch da ist. Nun fragen alle Kameraden, was werden wird. Ob wir noch lange der Gewalt standhalten können, die sich hier zeigt?
Wir wollen hoffen und warten, denn auch die schwärzesten Nächte gehen dem Tage entgegen. So wollen wir, Liebste, die dunkle Stunde, in der wir jetzt leben