August Broil an seine Frau Marga, 3. September 1944
Am Sonntag, den 3.9.44.
Meine liebe Marga,
als wir an diesem regnerischen Morgen auf dem Marsch waren, sah ich sonntäglich gekleidete Leute aus der Kirche kommen, und ich mußte mich auf den Sonntag aufmerksam machen lassen. Bei dem dauernden Weiterhasten von Ort zu Ort durch lange Nächte oder regnerische Tage verliere ich ganz den Sinn für die rechte Zeit. Seit gestern haben wir Frankreich verlassen und sind in Belgien der Heimat näher gekommen - ein teils erfreuliches, teils bedenkliches Zeichen. Was soll werden, wenn der Krieg in dieser Weise weitergeht und die Heimat außer vom Bombenkrieg auch noch von den Kampfhandlungen selbst
überzogen wird? Wir wollen nicht das Schlimmste hoffen! Hoffentlich erreicht Dich diese kurze Nachricht recht bald, damit Du weißt, wo ich nun bin und wie es mir geht. Denn trotz aller Beschwernisse und Unstetigkeit fühle ich mich sehr wohl und bin gesund. Zwar von Dir kann ich das nur hoffen, und diese Hoffnung ist stark. Bist Du schon von Köln weggegangen? Jetzt wäre es für Dich und unser Kindlein sicher das Beste; denn nur wenige Wochen trennen uns noch von Deiner großen Stunde, in der uns der Herr das Leben eines jungen Menschenkindes anvertrauen wird. Ach, Liebste, welche Freude wird es werden! Wenn ich nur bei Dir sein könnte! Wir wollen uns herzlich und fest der Hilfe Gottes anvertrauen. In Liebe und Freude
Dein August