Karl-Heinz und Gisbert Kranz an ihre Mutter, 21. Juni 1938
Den 21.VI.1938.
Liebe Mutter!
Es freut mich, daß Du Dich gut erholst und schon ganz braun bist. Besten Dank für die Karte. Hoffentlich habt ihr gutes Wetter. Ich war heute baden. Es war sehr schön. Auf der Handelsschule ist es viel besser als auf dem Gymnasium. Der Unterrichtsstoff ist sehr interessant. Das Wetter hier ist herrlich. „Peter und Paul“ soll Schule sein! In Berlin ist frei! Therboven hat das angeordnet! Auch an „Drei Könige“ und an einigen anderen Feiertagen ist Schule! Ob auf der Handelsschule das auch so ist, weiß ich noch nicht. Leider weiß ich nicht mehr zu schreiben. Deshalb will ich schließen. Ich wünsche Dir und Frau Berthold gute Erholung. Herzliche Grüße auch an Frau Berthold
Karl Heinz
Liebe Mutter.
Das wundert mich aber, daß Du bis jetzt noch keinen Brief von mir bekommen hast. Fronleichnam nachmittags schrieb ich einen ganz langen Brief. Vater hat ihn wohl erst später abgeschickt, weil Du von Dir nichts hören ließest. – Gestern gratulierten wir Tante Aloisia zum Namenstag. – Sonntag abend war ich in Bochum in „Faust II“. Es gefiel mir nicht so gut, wie der erste Teil. – Vater ist augenblicklich im „Rosenkavalier“ in Essen. – Montag gingen wir mit der Schule ins Kino. – Ich bekam die drittbeste Mathematikarbeit wieder. Sie war 3-! Staunste, was!? Einer hat „sehr gut“, einer „gut“, zwei „genügend-“ und alle übrigen 14 Mann haben „nicht genügend“. – Das Wetter hier ist gut. Ich hoffe, daß Du ebenfalls so viel Sonne hast, damit Du das schöne Salzkammergut in rechter Weise
genießen kannst. – Von dem Erlaß Terbovens (NS-Gauleiter), schrieb Karlh. ja schon. Ist das nicht toll? Ich schrieb Dir schon im letzten Brief: „Man darf sich heute über nichts mehr wundern.“ – Donnerstag hat unsere Gruppe wieder Gemeinschaftsmesse. – Montag kamen die Deutschlandfahrer, von denen Du sicher in der Zeitung last, über Steele. – Das ist wohl alles, was hier geschehen ist. Wir sind alle wohlauf und quietschvergnügt. Dasselbe von Dir hoffend grüße ich Dich herzlich
Dein Gisbert.
PS: Gerade ruft Schöttgen an: Die Gemeinschaftsmesse muß Donnerstag aus techn. Gr. ausfallen. Schade.
Ich danke Dir übrigens für Deine liebe Karte.
Anna läßt auch grüßen.