Karl-Heinz und Gisbert Kranz an ihre Mutter, 26. Juni 1938
den 26.VI.1938
Liebe Mutter!
Heute Nachmittag gehe ich paddeln. Ich entdeckte diese Woche, daß meine Ovaschecks (es waren ungefähr 150 Stück) verschwunden sind. Die Dose fand ich, aber leer. Ich habe Günter und Fritz in Verdacht, daß sie die Schecks in den Ferien weggenommen haben. Ich hatte ihnen eine Karte geschrieben und sie gefragt, ob sie die Schecks hätten. Sie schrieben eine Karte zurück, auf der nur ein Satz von den Ovaschecks handelte, und der hieß: „Wir sammeln noch fleißig Schecks für Dich.“ So Lausebengels! Hoffentlich erholst Du Dich in Ruhpolding besser als in St. Gilgen. Herzliche Grüße auch an Frau Berthold
Karl Heinz
Ich habe eine Rechenarbeit 3+ geschrieben. Karl Heinz.
Essen-Steele, den 26. Juni.
Liebe Mutter!
Heute morgen bekamen wir von Tante Tonchen beiliegenden Brief, anbei noch einen Brief aus Frankreich, den ich Dir ebenfalls sende. – Was sagst Du dazu? Das wäre was für mich! Frankreich kennen lernen, Ausbildung im Französischen, für’s Examen gut zu gebrauchen! Ich bin sehr für die Sache, Vater ebenfalls. Ich meine, es wäre ganz gut, wenn ich vom 3.-30. August nach Gerbéviller (bei Luneville in Lothringen) fahre und der französ. Junge käme mit mir nach Hause und bliebe dann 4 Wochen bei uns. Sollten im September in Frankreich keine Ferien sein, ließe es sich auch so machen: Die ersten drei Wochen der Ferien fahre ich nach Frankreich, die letzten drei Wochen ist der Junge bei uns. Während des Besuches müßte dann einer von meinen drei Brüdern verreisen, damit wir im Bett für den Jungen frei haben.
Herzl. Gruß Gisbert