Gisbert Kranz an seine Familie, 15. September 1939
den 15.IX.39.
Meine Lieben!
In die Eifel zieht der Herbst schon ein. Es wird kälter und regnet viel. So haben wir vorgestern unsere Baustelle schon am frühen Morgen wegen strömenden Regens verlassen müssen. So kamen wir zu dem uns versprochenen Ruhetag. Außerdem ist auch die in Aussicht gestellte Anerkennung eingetroffen in Form von Löhnungserhöhung. Wir bekommen jetzt das Gehalt eines außerplanmäßigen Truppführers, das sind 10 M pro Dekade, zuzüglich täglich eine Flasche Bier und 6 „Güldenring“! Der Verpflegungssatz ist ebenfalls gestiegen, sodaß unser Essen noch viel besser als bisher ist. Ihr seht also, daß es uns gut geht.
Heute liege ich in der Krankenstube. Ich habe eine Vereiterung am Fuß (ist aber nicht schlimm), sodaß ich nicht zur Baustelle marschieren und mich mal gründlich ausschlafen und erholen kann.
Wir sind immer noch an unserem alten Standort.
Mutters Karte habe ich gestern erhalten. Vielen Dank. – Hat die Schule wieder begonnen? Vater gratuliere ich recht herzlich zu seinem 54. Geburtstage. Mein Geschenk wird aus techn. Grdn. erst später eintreffen.
Es grüßt Euch alle – fern von der Heimat, in Gedanken immer bei Euch –
Gisbert
Nb. Im letzten Brief lagen Ovaschecks.