Gisbert Kranz an seine Mutter Berta, 15. Oktober 1939

Sonntag, den 15.X.39.

Meine liebe Mutter!

Es ist heute herrliches Wetter, ein schöner Tag. Gerade komme ich aus der Messe. P. Tries läßt grüßen. Wir hatten ein Stündchen miteinander geplaudert. Heute nachmittag will ich ihn mal besuchen. Das ist jetzt wieder möglich. – Deinen Brief habe ich auch erhalten, heute morgen beim Frühstück mit guter Butter und Bohnenkaffee. – Du schreibst fast nur von Urlaub. Du mußt Dich noch zwei, drei Wochen gedulden. Zuerst fahren mal die Arbeitsmänner nach Hause, die seit dem 2. April noch überhaupt keinen Urlaub hatten, und das sind noch eine ganze Reihe. Alle auf einmal können wir auch nicht fahren. –

Wir erhalten nachher Puls- u. Kopfwärmer, Fausthandschuhe, Fingerhandschuhe, Trainingsanzüge u. a., alles funkelnagelneu! Du siehst also, daß es uns in jeder Beziehung gut geht. Gerade heute fühle ich mich sehr sauwohl. –

Nun viele Grüße

Dein Gisbert.

Sei nicht traurig, daß ich nicht gleich zur Tür hereinspaziere! –

Ich hätte noch viel zu schreiben, doch ich will mit der Tinte sparsam sein. Wenn dieser Artikel auch nicht auf Karten steht, hier ist nur wenig vorhanden.