Gisbert Kranz an seine Familie, 8. Februar 1940

Bonn, den 8.II.40.

Meine Lieben!

Euer reichhaltiges Paket habe ich heute schon erhalten und will ich mich dafür herzlich bedanken. Ich muß gestehn – als ich es aufmachte, bekam ich einen richtigen Schrecken. Soviel hätte ich nicht erwartet. Und da schreibt Mutter noch, man könnte jetzt nicht mehr so viel schicken... Du liebe Mutter, da hast Du es aber wieder wirklich zu gut gemeint! Ich sage „wieder“ – denn darin bist Du unverbesserlich. Wäre es nicht besser gewesen, wenn Du Schokolade, Bonbons und Marzipan selbst gegessen hättest? Wo diese Dinge heute so knapp sind, bist Du sicher froh, wenn Du selbst einmal etwas Süßes hast, und Dir hätte es besser geschmeckt als mir, da ich mir – wie Du doch weißt – nicht viel daraus mache. Am liebsten esse ich die Printen, die ja sehr gut sind. Aber die vielen Zigaretten, soviel rauche ich ja in einem ganzen Semester nicht! Und das alles zu Beginn der Fastenzeit – das ist kein guter Auftakt! Gestern nachmittag haben wir in Kessenich gekegelt! Da habe ich festgestellt, daß eine ganze Anzahl meiner Kommilitonen für die Fastenzeit das Rauchen einstellt haben, als Abstinenz. Wenn ich ehrlich sein soll – bitte nehmt mir das nicht übel – hätte ich für alles das lieber ein Buch gehabt. Doch nach dem Wort „Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul“ will ich mir die Sachen gut schmecken lassen, vor allem die Printen, die – wie gesagt – besonders köstlich sind.

Schon jetzt gratuliere ich Vater zum Namenstag, den wir diesmal – das fällt mir gerade ein – zum ersten Mal getrennt feiern. Ich bin mal gespannt, wie der Laden aussieht, wenn ich wieder komme. –

Ich danke Euch nochmals für Eure Glückwünsche und für das große Paket und grüße Euch herzlich

Euer Gisbert