Gisbert Kranz an seine Tante Aloisia und seine Brüder, 2. Mai 1940

Bonn, den 2.V.40.

Liebe Tante Aloisia!

Eine solche Tante lob’ ich mir: „Sei nicht zu fleißig!“ was wohl heißen soll: Arbeite nicht zuviel! Ich habe laut gelacht, als ich das las. Gewöhnlich bekommt man ja ganz andere Mahnungen zu hören, etwa, daß man nur ja nicht faulenzen soll. Aus Mutters Brief siehst Du, daß wir genug Freude und Erholung haben. Doch planmäßige Arbeit ist gerade heute unerläßlich. Wer weiß, wie lange ich noch studieren kann?! – Das Ende des Krieges wollen wir dem lieben Gott überlassen und meine Einberufung zum Wehrdienst dem Wehrbezirkskommando.

Auf die Sachen für das Archiv von Tante Linchen bin ich gespannt. Doch brauchst Du mir das nicht nach hierhin zuschicken. Ich komme ja wohl nächste Woche nach Hause.

Deinen Wunsch „Bleib gesund“ erwidere ich ebenso und grüße Dich – für Deinen Brief vielmals dankend – herzlich

Dein Gisbert

Lieber Karlheinz!

Für Deine Zeilen Dank! Die Schläuche haben bis jetzt gehalten. Sei also ohne Sorge, mein Kind! Gummilösung hab ich mir neulich noch besorgt, kann ich auch noch haben, soviel ich davon will.

Viele Grüße Gisbert.

 

Lieber Günter!

Dank für Deinen Brief! Daß es Dir gut geht, brauchst Du mir nicht zu schreiben, weil es Dir immer gut geht, ganz besonders jetzt, da Du Dein erstes Gehalt empfängst. Setze nur nicht gleich Dein ganzes Taschengeld in Zigaretten um, auch wenn Du von Tante Aloisia ein Etui bekommen hast.

Trotz der Pannen und trotz der Putzerei bin ich doch froh, daß ich mein Rad hier hab. Denn sonst hätte ich die schöne Ahrfahrt gestern nicht machen können. Wenn ich Pfingsten nicht mit der Bahn nach Hause fahren kann, bin ich auf mein Rad angewiesen.

Vom schönen Wetter und von Deinem Wohlergehen brauchst Du mir nächstens nichts mehr zu schreiben. Mich interessiert, warum es Dir gut geht, was Du augenblicklich im Geschäft machst, was in Steele passiert ist, usw.

Es grüßt Dich herzl.

Gisbert