Gisbert Kranz an seinen Bruder Fritz, 17. März 1941

Hamm, den 17.III.41.

Lieber Fritz!

Soweit ist es noch nicht, daß ich schon einen Stern am Ärmel trage. Das ist Oberschütze, aber die Rekruten sind alle Schützen. Bis ich mal Gefreiter bin, vergehen ein paar Monate. Aber bald werde ich Offiziersanwärter. Du müßtest mich mal im Stahlhelm sehn. Der ist drei Nummern zu groß. Und wackelt von rechts nach links. „Was haben Sie denn für einen Kopf?“ bölkte der Kammerfritze, als er mir den Helm anpaßte. „’n Eierkopp.“ rief ich. Und der Kammerfritze bumste mir einen Helm nach dem andern auf den Kopp, zehn Stück. Der eine war viel zu eng, der andere war zu groß und reichte bis zum Bauch. Bei Nr. 59 blieben wir. Meine Hutnummer aber ist 56.

Was wir hier machen, darf ich Dir im Einzelnen nicht schreiben, das weißt Du aber auch so aus Filmen, Büchern und eigenen Erlebnissen. Vor allem Schießen und Marschieren und alles, was damit zu tun hat. Von Steele ist hier niemand bei. In meinem Zug sind noch zwei andere Theologen aus Bonn und in meinem Trupp sind lauter Westfalen und zwei Kölner, alles prima Kerls, mit denen ich mich gut verstehe. Samstag- u. Sonntagnachmittag hatten wir schon Ausgang. Samstag wurden wir vereidigt.

Für das Bildchen und Deinen Brief herzl. Dank. Sobald ich eins habe, sollst Du auch von mir ein Foto mit Lametta haben.

Vergiß nicht, mir recht bald wiederzuschreiben, genau so einen langen Brief wie den Letzten. Denn Soldaten freuen sich riesig auf jede Post wie die Kinder auf Weihnachten. Und außerdem kostet es ja nichts.

Frohen Soldatengruß

Dein Gisbert