Gisbert Kranz an seine Familie, 22. April 1941

Hamm, den 22.IV.1941.

Meine Lieben!

Endlich komme ich mal wieder dazu, Euch zu schreiben.

Von unserm Ostergottesdienst in der stilvollen Kapelle des Marienhospitals werden Euch, liebe Eltern, meine Brüder schon erzählt haben. Mehr als die Hälfte von unserer Kompanie ging geschlossen zur Messe, von unserer Stube alle. Mit dem Standortpfarrer, einem jungen Kaplan, haben wir Theologen schon Verbindung aufgenommen. Letzten Sonntag sangen wir mit 10 Soldaten in der kleinen Kapelle des Säuglings- u. Kinderheimes, die deutsche Komplet – es war sehr fein. Nachher saßen wir noch mit drei Geistlichen gemütlich bei Bier u. Zigarren im Gesellenhaus zusammen. Hier treffen wir uns übrigens jeden Sonntagabend, u. auch schon mal in der Woche. Man kann hier gut und billig zu Abend essen.

Die Wurst u. den Schinken, den die Jungens mir mitgebracht hatten, habe ich bereits auf. Jetzt zehre ich noch von der feinen Marmelade. Ich bedanke mich nochmal herzlich für die schönen Sachen, vor allem auch für die Ostereier. Die leeren Marmeladengläser werde ich bald mit schm. Strümpfen u. Taschentüchern wieder nach Hause schicken. Ich bitte Mutter, mir baldigst wieder einige Paar wollene Socken

zu schicken. Sie dürfen aber nicht so sehr gestopft sein, da ich mir sonst auf unsern Märschen die Füße kaputt laufe. Die braun-weiß melierten Strümpfe passen mir nicht mehr. – Entschuldigt bitte meine schlechte Schrift. Das harte Waffenhandwerk hat meine Hände ungelenk u. schwer gemacht. Außerdem bin ich sehr müde.

Ich bin gespannt auf Karlheinz’ Fotografien. Laßt bald mal wieder von Euch hören. Hoffentlich geht es Euch allen noch gut.

Es grüßt Euch herzlich

Euer Gisbert

Augenblicklich hält Herr Stemmerich hier eine 14 tägige Singewoche ab. Gestern war ich in der Eröffnungsstunde im Marienhospital, wo ich diesen eigenartigen, im positiven, aber begeisternden Menschen zum ersten Mal kennenlernte. Der kann ja reden! Dreiviertelstunde über tiefste theologische Dinge. Eine erstaunliche Dialektik!