Gisbert Kranz an seine Familie, 10. Juni 1941

Wuppertal-Elberfeld, den 10.VI.41.

Meine Lieben!

Nach kurzer Bahnfahrt bin ich glücklich in Wuppertal angekommen. Es gefällt mir hier entschieden besser, als in Hamm. Vor allem die herrliche Landschaft, die uns den Außendienst zur Freude machen wird. Dann die einzigartige Lage unserer Kaserne auf einer Höhe mit weiter Aussicht und Wald, die stilvolle Einrichtung der Gebäude, die künstlerisch viel eindrucksvoller sind, als die Kaserne in Hamm. Die Verpflegung ist ausgezeichnet, da wir in einer Artilleriekaserne liegen; denn die Artillerie hat einen höheren Verpflegungssatz als die Infanterie. Meine Vorgesetzten sind in Ordnung; meine Kameraden sind lauter ordentliche, gebildete Leute, meist Abiturienten. Wir KOBs liegen auf Stuben für uns, während die Unteroffiziersanwärter für sich liegen.

Das ist mein neues Milieu. Ich glaube, ich werde mich in ihm wohlfühlen. Demnächst werde ich Euch mehr schreiben. Ich bin jetzt zu müde dazu, habe auch zu wenig Zeit. Vielleicht komme ich nächsten Sonntag schon in Urlaub, doch kann ich das noch nicht versprechen. Auf alle Fälle bitte ich Mutter, mir möglichst schnell ein dreiteiliges Besteck zu schicken; aber nicht ein zusammenleg-

bares. Ferner eine Tasse (Porzellan! Kein Alum. Becher), und vielleicht Zigaretten, die hier sehr knapp sind.

Die Frage mit dem Geld hat sich ja wohl mittlerweile gelöst. Mündlich demnächst darüber mehr.

Ich muß jetzt schließen, da gleich Zapfenstreich ist.

Frohen Gruß

Euer Gisbert

 

Schtz. GKranz
4. Ula 16
W’tal-Elberfeld
Saarburg-Kaserne