Gisbert Kranz an seine Familie, 20. November 1941
Rußland, den 20.XI.41.
Meine Lieben!
Heute bekam ich einen ganzen Berg Post: Eine Karte von Fritz, Mutters Ansichtskarte vom 17.X. mit der Laurentiuskirche, die Briefe vom 21. u. 22.X. mit den Fotos, Päckchen 1-7, 11, 13-20 u. 42. Vielen Dank für alles; vor allem die Fotos haben mich sehr gefreut.
Mutter ist gut getroffen und hat auch ein nettes Kleid an. Noch liebenswürdiger und schöner, als das Foto sie nur zeigt, habe ich sie in der Erinnerung. Vater scheint mit seinen Sorgen ins Freie gegangen zu sein, um in der frischen Luft am Ruhrufer und bei einer guten Zigarre Entspannung zu suchen. Karlheinz sieht sehr ernst und gedankenvoll drein und überdenkt sicher grade sein Thema für den Heimabend. Oder ob er an seinen Bruder im Osten denkt?
Dann muß er aber fröhlicher dreisehn! Und Günter? Als ich einem Kameraden das Bild zeigte, sagte der spontan: „Wie ein indischer Student auf Oxford oder Cambridge!“ Als ich darauf hellauf lachte, fügte er hinzu: „So ruhig, so würdevoll.“ Ich meinte: „Ruhig ist er, da sagst Du das Richtige.“ Und dann der Fritz! Der Schalk guckt ihm aus den Augen. Wer weiß, was aus ihm mal wird?
Nun Schluß für heute. Ich muß jetzt wieder auf Wache ziehen. Es ist jetzt wieder „wärmer“ geworden. Nur noch 8° minus.
Frohen Gruß und tausend Dank
Euer Gisbert
ferner „Wochenschauen“ [nicht lesbar]