Gisbert Kranz an seine Familie, 11. Dezember 1941
Donnerstag, den 11.XII.
Meine Lieben!
Ich weiß kaum, was ich Euch schreiben soll. In mir ist eine solche Leere, eine Verlassenheit, daß meine Gedanken sich nicht einmal mehr ohne Schwierigkeiten zu Gott finden. Oft stürzt sich eine solche Fülle von Empfindungen und Gedanken auf mich ein, deren ich nicht Herr werden kann. Vergangenes und Zukünftiges rast in tollem Wirbel durcheinander, und ich vermag keine Klarheit in diesem Wirrwarr zu schaffen. Dazu die völlige Unlust, irgendetwas zu unternehmen und zu tun, verstärkt durch das körperliche Unwohlsein und die allgemeine Schwäche. In den Händen
und Füßen brennt der Frost und lähmt die letzte Willensanstrengung.
- Das ist keine augenblickliche Stimmung, die die dumpfe enge Schwühle unseres dreckigen Quartiers nicht aufzuhellen vermag. –
Weihnachten – ich hoffe, dann besser zu sein. Der Glaube, das Licht, das es gibt, wächst in dieser Verlassenheit ins Ungeheuere, denn er ist das einzige, das die Weihnacht an der Front erhellen kann. Ihr Lieben, denket meiner an diesen hohen Tagen und seid nicht traurig, wenn ich nicht mit Euch zusammen unter dem Tannenbaum sitzen kann. Ich bin Euch ja jetzt näher denn je. So soll auch dies