Gisbert Kranz an Frau Wessendorf, 5. Juni 1942

Danzig, den 5.VI.42.

Sehr geehrte Frau Wessendorf!

Die Aufzeichnungen Willis, die Sie mir liebenswürdigerweise anvertrauten, wollte ich Ihnen persönlich zurückgeben, doch traf ich Sie leider nicht an. Ich gab deshalb die Hefte Herrn Scholten, der sie Ihnen gewiß zugeschickt hat.

Ich gestehe Ihnen, daß mich die Lektüre dieser Aufzeichnungen sehr ergriffen hat, weil sie den ganzen, so liebenswerten Charakter Willis offenbaren. Ich danke Gott, diesen Menschen gekannt zu haben, der in seinem jungen Dasein schon ein Vollendeter geworden war. Ich suche nach Worten, um Ihnen meine Ehrfurcht vor diesem Leben auszudrücken, doch fühle ich, daß alle Worte davor schal werden. Wir wollen froh sein, daß er so

war und daß er der Unsrige war; ich glaube, er wird in unsern Anliegen ein guter Fürsprecher bei Gott sein: Für diese Welt voll Haß u. Empörung war er zu schade, doch ist sein Wirken um das Reich Gottes nicht zu Ende.

Wenn wir dies alles bedenken, werte Frau Wessendorf, werden wir immer wieder Trost, sogar viel Freude finden.

In aufrichtiger Hochachtung grüßt Sie und Ihre Familie

Ihr ergebener

GK