Gisbert Kranz an seine Familie, 7. Juni 1942

Danzig, den 7.VI.42.

Meine Lieben!

Die erste Woche in Danzig war sehr schön. Der Dienst ist gering und leicht. Montag war ich im „Fliegenden Holländer“, Mittwoch hörte ich „Martha“. Dienstagabend Varieté. Mit meinem neuen Freund gehe ich jetzt öfters am Ostseestrand bei Heubude schwimmen. Gestern waren wir wieder da. Das Wasser war zwar noch eisig kalt, doch konnte uns das nicht abhalten. Dann Sonnenbad in den Dünen – alles wie einst in den Ferien. Fronleichnam sind wir beide zusammen zur Abendmesse gegangen. Feierliches Levitenamt mit vierstimmigem Chor und Orchester in herrlich ausgeschmückter Kirche, die brechend voll war. Heute nachmittag wollen wir uns

von Herrn Brettschneider Danzig zeigen lassen. – Ich bin froh, daß ich überall, wohin ich komme, gute und edle Menschen finde.

Mutter danke ich für ihren lieben Brief. Hier meine Wünsche, die zu äußern sie mich bittet: Briefumschläge, Butterdose (ich hatte zwei nach Hause mitgebracht, aber keine wieder mit nach Danzig genommen), Frühstücksbrett, 20 Pf. Briefmarken, 3 Paar Socken. Mein Rasierpinsel wird sicher schon unterwegs sein. –

Ich beabsichtige, morgen „Frau Luna“ von Paul Linke zu sehen. Vorläufig werde ich wohl noch bei der Genesenden-Komp. bleiben.

Es grüßt Euch herzlich

Euer Gisbert