Gisbert Kranz an seine Familie, 14. Juli 1942
Danzig, den 14.VII.42.
Meine Lieben!
In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde Danzig zum erstenmal in diesem Kriege bombardiert. Ich hatte in dieser Nacht Dienst (G.v.D.) und war redlich müde, als alles vorüber war, da ich die Nacht vorher wegen einer Geländeübung auch nicht geschlafen hatte. Vier Bomber wurden abgeschossen (das Feuer der Flak war ganz toll). Um 10 Uhr, als die Sirenen heulten, fielen schon die ersten Bomben. Erfolg: 1300 Obdachlose und über 70 Tote, davon allein 49, meist Kinder, im völlig zerstörten Diakonissenkrankenhaus. Diese Zahlen standen in der Zeitung. So haben die Danziger, die den Mund bisher immer sehr voll genommen hatten, auch mal was vom Krieg gespürt. –
Der Dienst hier in der Kompanie gefällt
mir. Nur sind die Rekruten, die meist aus Danzig – Westpreußen stammen und 17, 18 Jahre, einige aber auch über 30 alt sind, sehr dusselig u. begriffsstutzig. Man sieht gleich am Dienst den Unterschied dieses Menschenschlages zu den lebendigen und aufmerksamen Rheinländern u. Westfalen, mit denen ich in Hamm u. Rheine war. Der Ausbildungsstand ist, obwohl die Kerle schon 2 Monate u. länger Soldaten sind, erschreckend niedrig. Da hab’ ich noch eine ordentliche Aufgabe, meine Gruppe in den letzten Wochen ihrer Ausbildungszeit so weit zu bringen, daß sie sich im Fronteinsatz richtig verhalten. Mit den Kenntnissen u. Fähigkeiten, die sie jetzt erst besitzen, werden die wenigsten die ersten Gefechte überstehen. –
Dank für Karlheinz’ Brief, von dem ich leider erst den zweiten Teil bekommen habe.