Gisbert Kranz an seine Eltern, 16. August 1942
Danzig, den 16.VIII.42.
Liebe Eltern!
Zuvor einen recht herzlichen Sonntagsgruß! – Laßt mich noch einmal sehr danken für den schönen Urlaub, den ich bei Euch verbringen durfte, vor allem für die viele Mühe, die Mutter sich meinetwegen gemacht hat. – Inzwischen habe ich mich hier wieder eingelebt, was mir vor allem deshalb nicht sehr schwer fiel, weil ich die beiden ersten Tage noch keinen Dienst mitzumachen brauchte. Die Fahrt hierhin war übrigens angenehmer, als ich es hoffte, und nicht so strapaziös, wie Ihr es befürchtet habt; ich hatte nämlich die ganze Fahrt über einen Sitzplatz, ab Berlin sogar am Fenster. – Ich bin jetzt dem dritten Zug zugeteilt worden und habe eine neue Gruppe bekommen, in der die meisten Schützen bereits
zwei Jahre und länger in der polnischen Wehrmacht gedient haben und Analphabeten sind. Meine Verpflegungslage ist sehr gut: Fast jeden Tag bekomme ich Extra-Portionen: Kirchen, Johannisbeeren, Eier usw. – Mit meinen Kameraden, alles bewährte, alte Frontkämpfer, zum Teil Akademiker, verstehe ich mich ausgezeichnet. Ich habe wieder manch feinen Kerl kennengelernt. –
Die Badehose habe ich bekommen, und ich war froh, daß ich sie so schnell wieder hatte. Heute nachmittag hoffe ich meinen Freund Willi Schütz zu treffen, mit dem ich dann schwimmen gehe. –
Hoffentlich ist Mutter mit der neuen Hilfe zufrieden. Alles Gute und herzliche Grüße, auch an Fritz, Günter u. Karlheinz
Euer Gisbert
Wie hat Fritz die Prüfung bestanden?