Gisbert Kranz an seine Familie, 6. September 1942
Danzig, den 6.IX.42.
Meine Lieben!
Morgen beginnt ein sechswöchiger Unterführer-Lehrgang, an dem auch ich teilnehmen muß. Ich habe von Lehrgängen zwar die Nase reichlich voll, doch komme ich an diesen nicht vorbei. Das Einzige, was für mich dabei herausspringt, wären 5 Tage Urlaub nach Ende des Kursus und – vielleicht – Beförderung zum Unteroffizier. Jedenfalls werde ich in den nächsten Wochen nicht mehr soviel Freiheit und Freizeit haben, wie bisher. Doch auch das wird vorüber gehen. –
Mutter ist jetzt sicher in Monschau. Ich wünsche ihr viel Freude u. gute Erholung. Schickt ihr bitte meine Briefe nach. –
Ich bitte Vater um 30 M, die er mir umgehend schicken wolle. Da ich das Honorar
von der Köln. Zeitung noch nicht bekommen habe und ich mit den 12 Mark Wehrsold, die ich als Gefreiter pro Dekade bekomme, nicht viel anfangen kann, bin ich augenblicklich in finanziell prekärer Lage. Von meiner Löhnung brauche ich allein 3 Mark für Zigaretten u. 3 Mark für Straßenbahnfahrten. –
Anbei eine Schrift, deren angekreuzter Aufsatz Euch gewiß interessieren wird. –
Hoffentlich hat Günter die Gehilfenprüfung bestanden. Wieso wird W. Salberg als Nichtarier gemustert und eingezogen? Von Fritz wünsche ich bald Gutes zu hören.
Viele Grüße
Euer Gisbert