Gisbert Kranz an seine Mutter Berta, 7. November 1942
Danzig, den 7.XI.42.
Liebe Mutter!
Der Arzt hat mich bis zum 31. März 43. g.v.H. geschrieben, und da es im letzten Bataillonsbefehl hieß, die abgelehnten Anträge auf Studienurlaub sollten neu eingereicht werden, habe ich es nochmal versucht. Ein Ausbilder aus meiner Kompanie hat den Urlaub bereits bewilligt bekommen, sodaß ich nun doch wieder hoffen darf. So schwebe ich nun zwischen Furcht u. Hoffnung, da ich fühle, wieviel für meine Entwicklung davon abhängt, ob ich nun ein Semester studieren darf oder nicht. – Heute morgen war Rekrutenvereidigung, vorher Gottesdienst. Ich bin mit zur Kirche gegangen und habe ministriert, lernte bei dieser Gelegenheit auch den
Standortpfarrer persönlich kennen. Er schenkte mir einen Rosenkranz von eigenartiger Form; er sieht so aus: [Zeichnung] und ist sehr praktisch für Soldaten. Der Pfarrer lud mich für einen Abend ein, und ich versprach ihm, zu kommen, wenn ich keinen Studienurlaub bekomme.
Soeben erhielt ich Dein Kuchenpaket, habe von den Plätzchen schon probiert und muß Deine Backkunst wieder loben. Sei herzlich bedankt für Deine Mühe. Das Obstpaket ist noch nicht angekommen.
Herzliche Grüße, auch an Vater, Günter und Fritz
Dein Gisbert.
Nb. Ich bat Dich um schnellste Übersendung meines Studienbuches (in meiner Urkundenkassette) mit sämtl. einliegenden Papieren. Ich benötige es zum Nachweis meines bish. Studiums.