Gisbert Kranz an seine Eltern, 17. Januar 1943
Bonn, den 17.I.43.
Meine lieben Eltern!
Nun wird Mutter gewiß Ruhe haben, wo die große Wäsche erledigt ist und das Haus fast leer ist. Nur bedaure ich sehr, daß Ihr soviel durch Luftangriffe beunruhigt werdet. Hier in Bonn ist auch öfters Alarm, doch ohne lange Dauer und böse Folgen. Ich bin froh darum, kann ich so doch wenigstens in Ruhe arbeiten. Mein Manuskript macht gute Fortschritte, ich werde es bald abgeschlossen haben. Die ersten Kapitel habe ich schon ins Reine gebracht. Dr. Reckers war so liebenswürdig, mir seine Schreibmaschine zur Verfügung zu stellen. Ich hatte eine ganze Woche vergebens nach einem solchen Apparat Umschau gehalten. –
Mittwoch war ich bei Tante Nettchen,
später bei Direktor Reusch zum Tee. Ich habe mich an diesem Mann wirklich erbaut; ein wahrer „honnête homme“. –
Bezügl. Mutters Anfrage: Ich habe tatsächl. drei Kissenbezüge mitgenommen. Die Uhr habe ich deshalb nicht mitaufgeführt, da sie nicht zur Wäsche u. Bekleidung gehört. Dann hätte ich auch meinen Karteikasten, Locher, Federschale usw., drei Bildrahmen, meine Aktenmappe, 3 Koffer, 1 Schreibtischlampe und meine Bücher aufzählen müssen. Davon werde ich aber, selbst im Falle einer plötzlichen Abreise, nichts liegen lassen. – Daß ich in Rußland in einer MgK war, ist Irrtum von Karlheinz. Ich war immer in einer Schützen-Kompanie, wohl im Einsatz Mg.Schütze. Anbei für Vater ein „Merkblatt über Sonderförderung usw.“ Dank für die Umschläge.
Herzlich grüßt Euch Euer Gisbert.
Die benutzten Umschläge könnt ihr mir wieder zurückschicken, damit ich sie nochmal gebrauchen kann.