Gisbert Kranz an seine Familie, 26. April 1943

Danzig, Ostermontag 1943.

Meine Lieben!

Wie ich Euch schon kurz mitteilte, bin ich zu einem ROB-Lehrgang versetzt worden. Dienst habe ich bis jetzt noch keinen gemacht, da wir Karfreitag, Karsamstag und beide Ostertage frei hatten. So konnte ich nach drei Jahren zum erstenmal wieder an allen 4 Feiertagen die Liturgie mitfeiern. Karfreitag war ich in der Kathedrale zu Oliva, wo der Bischof den Gottesdienst zelebrierte. Abends bin ich mit Jupp Breuer in die Lutherkirche zu Langfuhr gegangen, wo Mozarts Requiem aufgeführt wurde. Karsamstagnachmittag machte ich mit Jupp einen schönen Spaziergang über Oliva-Strauchmühle durch den Wald nach Zoppot. Es war ein herrlicher Weg, und ich bedaure, nicht schon eher dieses schöne Stück Landschaft entdeckt zu haben. Ich nahm mir aber vor, noch öfters hierhin zu kommen. Gestern sind wir zwei am Heubuder Strand und durch die angrenzenden Wälder spazierengegangen. Abends sahen wir uns einen schönen Film an. Was wir heute nachmittag machen, weiß ich noch nicht. Jedenfalls wollen wir uns wieder treffen. Das Wetter ist sehr schön, milde; Samstag war es fast sommerlich warm. Ich freue mich schon auf die Badesaison. In drei, vier Wochen werden wir wieder schwimmen können.

Mein Freund Willi Schütz ist nach Strauchmühle versetzt worden. Als ich ihn dieser Tage besuchen wollte, hatte er gerade seine Sachen gepackt und war im Begriffe, abzufahren. Ich bin gleich mitgefahren und hörte nun im Wagen den Grund dieser plötzlichen Verlegung. Nach dem Luftangriff auf Kostock,

Stettin und Tilsit, bei dem auch Lazarette getroffen wurden, sind alle Lazarette aus Danzig-Stadt nach auswärts in die Vororte verlegt worden. Willi Schütz, der vor einigen Monaten Unteroffizier geworden ist, hat nun das Lazarett Strauchmühle mit 120 Kranken und zwei Sanitätsunteroffizieren unter seinem Befehl.

- Morgen beginnt wieder der Dienst. Ich werde mich mit Begeisterung hineinstürzen, denn diesmal gilt es, eine Menge Neues zu lernen.

Ich hoffe, daß Ihr Euch wohlauf befindet, und daß Ihr die Feiertage angenehm verbracht hat. Hat Karlheinz wieder geschrieben?

Seid herzlich gegrüßt von

Eurem Gisbert