Gisbert Kranz an seine Familie, 26. Mai 1943

Langfuhr, den 26.V.43.

Meine Lieben!

Herzlichen Dank für Vaters langen Brief und Mutters liebe Zeilen. Erst durch diese Post erfuhr ich, daß es sich bei dem großen Hochwasser um die Möhne u. Sorpe Talsperre handelt. Ich hatte bislang keine Ahnung von den großen Verheerungen, die über unser Ruhrtal eingebrochen sind. Wir wollen auch diese Heimsuchungen ergeben aus Gottes Hand entgegennehmen, und dem Herrn dankbar sein, daß unser Anwesen auch bei dieser Katastrophe unversehrt blieb.

Letzte Nacht hatten wir einen längeren Übungsmarsch. Sonst ist der Dienst ruhig und erträglich. Wir wissen kaum zu schätzen, wie gut es uns geht. Montag hielt ich einen Vortrag über die feindl. Panzerwaffe, ein interessantes und dankbares Thema, da mir genug Anschauungsmaterial zur Verfügung stand. Dienstag gab ich einen Erlebnisbericht von den Abwehrkämpfen an der Miusfront im Dezember 1941. – Freitag war ich wieder in dem Orgelkonzert in St. Marien, und Sonntag in „Figaro“. Für „Tannhäuser“ nächsten Samstag habe ich auch schon eine Karte. – Fliegeralarm war in den 5 Wochen, seitdem ich wieder in Danzig bin, erst einmal.

Karlheinz schrieb mir aus Rußland zufrieden und zuversichtlich.

Nun wünsche ich Euch baldige Erholung von den Schrecken der letzten Wochen, Mutter baldige Entlastung bei ihrer Arbeit und Vater schnelle Genesung.

Euer Gisbert

Von Fritz höre ich garnichts mehr. Hat er Ferien?