Gisbert Kranz an seine Mutter Berta und Bruder Fritz, 19. Juni 1943

Langfuhr, den 19.VI.43.

Liebe Mutter, lieber Fritz!

Für Eure Briefe herzlichen Dank. Ich wollte, Ihr hättet mir Besseres berichten können. So habt auch Ihr Euren Anteil an den Sorgen und Leiden, die unser Volk bedrücken. Doch wollen wir dabei noch froh sein und dem Herrn danken, daß er uns vor Schlimmerem bewahrt hat. – In dieser Woche hatten wir sehr strammen Dienst, sodaß ich nicht zum Schreiben kam. Donnerstag Besichtigung durch den Regimentskommandeur. Seit einigen Tagen speisen wir mit den Offizieren im Kasino zusammen. Ich bin wenig „erbaut“ davon. Es hat zwar einige Vorteile: man braucht nicht anzustehen, hat Ordonnanzen, und alles geht kultivierter zu – aber man kann sich nicht so satt essen, wie im Mannschaftsspeiseraum. Übrigens werde ich Ende dieser Woche mit einigen andern Offz.Anw. nach Preußisch-Holland (bei Elbing) zu einer Fahrschule kommen. Dort sollen wir unsern Führerschein machen. Wenn ich Gerüchten Glauben schenken darf, komme ich doch schon am 6.VIII. zur Kriegsschule. –

Morgen werde ich mit Jupp Breuer an den Strand gehen. Wohl das letzte Mal diesen Sommer. Jupp fährt am 30.VI. nach Berlin zum Feuerwerkerlehrgang. Da wir in der Woche bis

7 Uhr (und oft noch länger) Dienst haben, komme ich Werktags nie dazu, zum Strand zu fahren. Da hätte man es als Ausbilder besser.

Ich füge einen Aufsatz bei, der die Note 1 erhielt und einiges Aufsehen erregte. Es ist eine Arbeit aus der Prüfung, von der ich bereits schrieb.

Vater wird in den nächsten Tagen nach Hause zurückkehren. Ich hoffe, daß er sich gut erholt und entspannt hat. Ihm, Dir liebe Mutter und Fritz meine besten Wünsche und Grüße

Euer Gisbert

Schickt mir bitte gelegentlich etwas feines Schmirgelpapier.