Gisbert Kranz an seine Familie, 21. Juni 1943
Danzig-Langfuhr, den 21.VI.43.
Meine Lieben!
Kurz einige Neuigkeiten: 1. Unsere Division hat auf Befehl des Führers den Namen „Panzergrenadier-Division Feldherrnhalle“ erhalten, dazu eine eigene Uniform mit einem Ärmelstreifen „Feldherrnhalle“ und hellgrüner Waffenfarbe. Außerdem tragen wir jetzt Schimützen wie die Gebirgsjäger. 2. Im letzten Regimentsbefehl wurde ich mit einigen andern Lehrgangsteilnehmern zum ROB. ernannt mit der Berechtigung, die silbernen Doppelbalken auf den Schulterklappen zu tragen. Es steht jetzt fest, daß ich am 6.VIII. zur Kriegsschule komme. 3. Ich bleibe noch vier Wochen etwa in Danzig. Die Fahrschule in Preußisch-Holland beginnt erst Ende Juli.
Nun zu Mutters Brief vom 17.VI., den ich erhalten habe und für den ich danke. Ich hoffe, daß Vater der unsicheren Zustände zu Hause wegen seine Erholung nicht vorzeitig abgebrochen hat. Das Wetter ist hier im allgemeinen warm und sonnig. Nur hin und wieder regnet es mal. So gestern, sodaß aus unserm Plan, nachmittags zu baden, nichts wurde. Gestern abend bin ich mit Jupp Breuer in die Bekenntnisfeier der Jugend gegangen, die alljährlich im ganzen Reich am Dreifaltigkeitssonntag stattfindet. Die Danziger Jugend versammelte sich in der Kathedrale zu Oliva, wo der Bischof Karl Maria
eine prachtvolle und zündende Predigt hielt. Ich war froh, wieder einmal im Kreise junger, gläubiger Menschen stehn zu dürfen zu Gottes Lob und Ehr. Wie unerhört beseligend das Bewußtsein, daß zur selben Stunde im ganzen Reich allenthalben ebenso Tausende von Jungen und Mädchen zusammenstehen im freudigen Bekenntnis ihres Glaubens und ihres Willens, das Schöne zu lieben, das Gute zu tun und das Beste zu hoffen. Sollten unter diesen Tausenden nicht wenigstens zehn Heilige sein, um deretwillen Gott unser Volk verschonen würde, wie er weiland auf die Fürsprache Abrahams die Städte der zehn Gerechten wegen verschonen wollte?
Möget Ihr in den vielfachen Mühseligkeiten und Prüfungen, die Gott Euch jetzt aufbürdet, nicht mutlos werden! Dies wünscht und darum betet
Euer Gisbert