Gisbert Kranz an seine Familie, 24. Juli 1943
Danzig, den 24.VII.43.
Meine Lieben!
Gestern sprach ich nocheinmal mit Leutnant Erdmann über meine Zukunft. Er versicherte mich, daß es bis vor einer Woche noch feststand, ich sollte zur Waffenschule. Meine Beurteilung und meine Papiere seien in Ordnung gewesen, von seiten des Lehrgangs u. des Bataillons war alles klar. Nun hat das Regiment dazwischen gefunkt. Außer mir sind auch noch einige andere zurückgestellt worden, meist aus dem gleichen Grunde. Wann ich nun zur Feldtruppe komme, ist ungewiß. Lt. Erdmann meinte, der Abstellungstermin würde so rechtzeitig bekanntgegeben, daß ich vorher noch in Urlaub fahren könne. Einstweilen bin ich als Gruppenführer der Inspektion Heister zugeteilt. Die Offiziernachwuchskompanie (ONK) ist nämlich in Inspektionen (etwa Zugstärke) aufgeteilt. So gibt es eine Inspektion für die von der Kriegsschule gekommenen Oberfähnriche u. Feldwebel, eine für Uffz. u. Gefreite und eine für Rekruten. Die ONK wird geführt von Oblt. Benwitz, meinem alten Kompanieführer. Meine Gruppe besteht ausnahmslos aus Rekruten, meist Jahrgang 24 u. 25, alles Offz. Bewerber. Einstweilen werde ich also noch in Danzig bleiben. Meine Pläne haben sich zwar diesmal nicht erfüllt, doch habe ich mich mit der neuen Veränderung bereits abgefunden. Hier in der Gudrunschule gefällt es mir sehr gut. Die Verpflegung ist ausgezeichnet, wie ich sie seit langem nicht mehr gewohnt bin. Vorgestern Mittag: Frühjahrskartoffeln, Nudeln, Gulasch. Gestern Mittag: Kartoffeln, Kohlrouladen. Abends: Frische Kartoffeln, Soße, Salat. Kalte Portion; Wurst,
Marmelade, Bonbons. Dabei kann man leben. –
Das einzig Betrübliche ist, daß meine sämtlichen Freunde, die ich hier hatte, nun fort sind. In unserem Lehrgang habe ich manch netten Kameraden näher kennengelernt, Kölzer, Scharf, Schulz, Weigend u. a., und nun sind wir in alle Winde verweht, ich bleibe als einziger vom alten Haufen hier. Jupp Breuer, Fenger, Schütz sind auch nicht mehr hier. Es ist sehr einsam um mich geworden. Doch auch das wird gut sein, daß ich nach soviel fröhlicher und anregender Geselligkeit eine Zeitlang allein stehe.
Hoffentlich seid Ihr noch alle wohlauf. Wie fühlt sich Fritz als junger Soldat? Herzlich grüßt Euch
Euer Gisbert
Schickt mir bitte eine Badehose und, wenn es sich machen läßt, ein paar Fettmarken.