Gisbert Kranz an seine Familie, 28. August 1943

Lgfr. den 28.VIII.43.

Meine Lieben!

Herzl. Dank für Eure Briefe! Ich kann Mutters Schmerz sehr nachfühlen über die Enttäuschung. Doch ist es gut, liebe Mutter, wenn Du Dir vor Augen hältst, daß bisher selten einer soviel Glück mit Urlaub hatte als ich. Es ist erst 4 Monate her, daß ich zu Hause war. Und es ist in dieser Zeit für mich alles noch viel besser gekommen, als ich es erwartet hatte. Glaubte ich doch nach meinem Studienurlaub gleich nach Rußland abgestellt zu werden. Nun habe ich aber noch herrliche Wochen in Danzig u. Pr. Holland verbringen dürfen, die zu den schönsten meiner Dienstzeit gehören. Was Karlheinz betrifft, so kann ich Dir keinen besseren Trost geben als den, daß sein wie unser aller Leben in Gottes Hand liegt. – Ich freue mich, daß Ihr mir Obst schickt. Ich entbehre es hier sehr, obwohl die Verpflegung sonst ausgezeichnet ist. Schickt mir bitte gelegentlich auch 2 Stück Kernseife und 30 M; bis ich meine Kriegsbesoldung als Unteroffizier bekomme, vergehen noch 2 Monate, und mit den 14 M pro 10 Tage muß man sehr sparsam sein. Fotos kann ich mir nicht machen lassen, da wir von morgens bis abends Dienst haben und der einzige freie Nachmittag in der Woche Samstag ist, an dem die Fotografen zu haben. – Sonntag war ich in Zoppot. Es ist nach wie vor ein Weltbad und zeigt ein Bild wie im Frieden. Lebhafter Verkehr auf der herrlichen Promenade u. dem See[.?.], erstklassiges Konzert, frohe Menchen, beschwingt und heiter. Nach einigen heißen Tagen scheint jetzt der Sommer sich endgültig verabschiedet zu haben. Das Laub auf den Bäumen färbt sich, und die See wird kalt. Jetzt möchte ich bald die Fahrt nach dem Süden antreten, um noch etwas Sonne und Freude zu haben. Ich wünsche Euch alles Gute, Günter noch schöne Urlaubstage, und grüße Euch herzlich

Euer Gisbert