Gisbert Kranz an seine Familie, 14. Okrober 1943
Danzig, den 14.X.43.
Meine Lieben!
Das Wetter ist seit einer Woche herrlich. Klare Vollmondnächte, in denen ein Spaziergang durch die alten Gassen u. Straßen Danzigs ein Erlebnis ist. Und wolkenloser Himmel tagsüber. Es ist eine Freude.
Gestern abend saßen wir im Machandeltreppchen Langfuhr gemütlich bei einer Bowle zusammen. Es sollte unsere Abschiedsfeier sein, und wir hoffen, daß wir nun auch tatsächlich bald rauskommen. Blut ist diesmal nicht geflossen, aber es ist höchste Zeit, daß wir mal wieder einen Feldzug mitmachen, sonst tobt sich die ganze angestaute Tatenlust an wenig geeigneten Objekten hier in der Heimat aus. –
Mutters Brief erhielt ich. Daß die Post über meine Heimatanschrift geht, habe ich veranlaßt, da ich ja nicht wissen konnte, daß ich noch so lange in Danzig sitze. Es ist nicht nötig, die Briefe noch einmal in einen besonderen Umschlag gesteckt mir zuzuschicken. Es genügt doch, den Vermerk „Feldpost“ und meine jetzige Anschrift auf den Brief zu schreiben. –
Ich hoffe, Euch bald mehr und Schöneres schreiben zu können. Wir müssen uns einstweilen noch gedulden.
Herzl. Grüße
Euer Gisbert