Gisbert Kranz an seine Familie, 24. Okrober 1943
Danzig 24.X.43.
Meine Lieben!
Die Diskussion, von der ich Euch schrieb, wurde von unserm Chef auf der Kompaniebesprechung noch einmal aufgenommen. Wenn zwischen den vielen Parteifunktionären noch einige Leute saßen, denen noch ein Funke Christentum erhalten blieb, so werden diesen bei der Rede eines alten Nationalsozialisten die Augen endlich aufgegangen sein. Zwischen beiden Weltanschauungen kann es keinen Kompromiß geben. Und der Kampf zwischen ihnen wird nach dem Kriege apokalyptische Ausmaßen annehmen. Darüber müssen wir uns völlig klar sein. Bitten wir den Herrn, daß er uns zu diesem Kampf stärken möge. –
Freitag sah ich in Zoppot ein „Schauspiel aus unseren Tagen“. Den Theaterzettel und eine Polemik füge ich bei. Wie kann ein Schriftsteller sich anmaßen, jetzt schon Endgültiges über den Krieg auszusagen? Eine Kriegsdichtung braucht Abstand vom Erlebnis. Jede Dichtung braucht Abstand, und wenn sie den nicht hat, ist sie keine Dichtung, sondern Kolportage. Beim Film ist das anders, denn der Film will nicht gestalten sondern kopieren. –
Eure Karte mit den interessanten Neuigkeiten habe ich erhalten. Dank für Eure Grüße. Ich freue mich, daß Ferdi doch noch Urlaub bekommen hat. Hoffentlich wird auch Karlheinz bald das Glück haben.
Herzl. Grüße
Euer Gisbert
Mutter bitte ich, mir 12 Taschentücher zu schicken.