Gisbert Kranz an seine Eltern, 2. Dezember 1943

2.XII.43.

Liebe Eltern!

Zu meiner großen Freude erhielt ich heute schon die beiden Päckchen mit Geld und Gebrauchsgegenständen. Für alle bedanke ich mich sehr. Ich hoffe, Euch noch einige schöne Sachen kaufen zu können. Hier ist ein Mann aus Steele in der Kompanie, der nächste Woche in Urlaub fährt. Wenn ich bis dahin noch mal in die Stadt komme und zu Einkäufen Gelegenheit habe, kann ich ihm ein Päckchen für Euch mitgeben. –

Gestern nahm ich als Schiedsrichter an einer größeren Übung teil. Der Zufall wollte es, daß unsere Pionierkp. den Auftrag hatte, im Abschnitt meiner alten Kompanie Minen zu verlegen.

So traf ich einige Unteroffiziere, alte Bekannte von früher wieder. Später sah ich auch bei andern Bataillonen einige Freunde aus Danzig wieder. – Das Manover war hochinteressant und vermittelte einen guten Eindruck von unseren ausgezeichneten neuen Panzerwaffen. Einzelheiten darf ich Euch freilich nicht schreiben. Vielleicht ist aber schon in der Tagespresse etwas darüber zu lesen. –

Heute nahm ich an einem Planspiel für Offiziere teil und sprach bei dieser Gelegenheit mit meinem Kommandeur. Er teilte mir mit, daß er mich der Division als für den russischen Winterkrieg untauglich gemeldet habe der Erfrierungen wegen. Ich komme also auf keinen Fall mehr nach dem Osten. Auf meine Frage,

was denn aus mir würde, wenn die Division zum Osten komme, antwortete er, daß ich in diesem Falle wieder die Einheit wechseln müsse. Ich bar ihn, dann zu veranlassen, daß ich wieder zur Infanterie zurückversetzt würde, und begründete meinen Wunsch mit den großen Schwierigkeiten, die eine Umschulung beim Feldtruppenteil mit sich bringt, und mit der Belastung, die ich als pioniertechnisch nicht geschulter Unteroffizier für eine Pionierkompanie im Einsatz sein würde. Mein Kommandeur versprach, mein Anliegen zu unterstützen und gegebenenfalls nocheinmal mit mir darüber zu sprechen. – Es ist also – wie Ihr seht – nicht unwahrscheinlich, daß

ich demnächst wieder die Farben wechsele und nicht nur den Pionieren lebewohl sage, sondern auch aus der Division „F“ endgültig ausscheide. – Würden sich die Dinge so entwickeln, was ich sehr erhoffe, so wäre ich mit einem neuen Wechsel durchaus einverstanden und würde gern die damit verbundenen Mühen noch einmal auf mich nehmen. Jedenfalls sehe ich den augenblicklichen Zustand, (die Verhältnisse, in denen ich mich gegenwärtig befinde) nicht als endgültig und dauernd an. –

Ich freue mich, daß Ihr alle wohlauf seid. Bleibt gesund und beschützt und seid herzlich gegrüßt von Eurem

Gisbert